"Das Training hat für mich die oberste Priorität"
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Stabhochspringer Ben Duwenbeck
Der Weg von Kindern und Jugendlichen in den Leistungssport
Dortmund, Köln (epd).

Es ist ein sonniger und heißer Donnerstag am späten Nachmittag auf einem Sportplatz im Schatten des Dortmunder Westfalenstadions. Musik schallt aus einem Bluetooth-Lautsprecher über den Platz, die Playlist besteht aus Hip-Hop- und Rocksongs. Eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen macht sich vor einer Stabhochsprunganlage warm, jeder für sich alleine, es ist schließlich ein Individualsport. Trotzdem bekommen Außenstehende den Eindruck, dass hier ein Team trainiert. Es wird viel gelacht, es werden Geschichten aus dem Alltag ausgetauscht.

Einer der jungen Sportler ist der 18-jährige Ben Duwenbeck. Er ist Stabhochspringer und Leistungssportler, der schon seit seiner frühen Kindheit so gut wie jeden Tag in der Woche mehrere Stunden mit Sport und Training verbringt. Angefangen hat er mit Handball. Seit fünf Jahren konzentriert er sich auf Leichtathletik. 2022 und 2023 hat er zum ersten Mal an deutschen U16-Meisterschaften teilgenommen und jeweils Silber im Neunkampf gewonnen. 2023 belegte er zusätzlich den ersten Platz in den Einzelmeisterschaften im Stabhochsprung.

Jeden Tag drei Stunden Training

Er trainiert sechs Tage die Woche jeweils für drei Stunden. Hinzu kommen regelmäßige Trainingslager und Wettkämpfe. Gleichzeitig geht er noch zur Schule. 2027 stehen die Abiturprüfungen an. Viel Zeit für Freizeit bleibt ihm nicht. Dennoch hat er es sich so ausgesucht, wie er sagt: „Das Training hat für mich die oberste Priorität, alles andere wird drumherum gebaut.“ Das sei schon immer so gewesen. „Mir gefällt, dass man merkt, dass man für die harte Arbeit belohnt wird. Da ist Sport sehr ehrlich.“ Seine Motivation komme von innen, er habe immer das Gefühl, dass es noch höher, noch schneller, noch weiter gehen könne.

12.000 Jugendliche auf Eliteschulen des Sports

Laut Johanna Belz vom Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule Köln gibt es in Deutschland sehr viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die auf hohem Niveau Sport treiben: „Allein an den Eliteschulen des Sports haben wir laut Deutschem Olympischen Sportbund rund 12.000 Schülerinnen und Schüler, hinzu kommen die Nachwuchsleistungszentren und die Kaderstrukturen auf Bundes- und Landesebene.“

Auch Ben Duwenbeck geht auf eine von deutschlandweit mehr als 80 sogenannten „Eliteschulen des Sports“. Diese Auszeichnung verleiht der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) an Schulen, die sportliche Talente fördern. Laut DOSB werden Schule und Training dort so koordiniert, „dass keiner der beiden Bereiche vernachlässigt werden muss und künftige Spitzenathlet*innen ihre Zeit bestmöglich nutzen können.“

Gutes Zeitmanagement ist wichtig

Seine Schule unterstütze die jungen Sportler sehr, erzählt Duwenbeck. „Wenn ich ein Trainingslager zur Vorbereitung auf einen Wettkampf habe oder für einen Wettkampf mal ein paar Tage früher anreisen muss, werde ich vom Unterricht befreit.“ Das laufe unkompliziert. Gleichzeitig ermögliche die Schule ihren Schülerinnen und Schülern, bei Bedarf zweimal die Woche auch vormittags zu trainieren.

Den Schulstoff, den er in dieser Zeit verpasst, muss er nacharbeiten. „Es gibt ein Online-Portal mit den Unterrichtsmaterialien und Arbeitsaufträgen. Das klappt alles sehr gut.“ Das Wichtigste sei ein gutes Zeitmanagement, sagt Duwenbeck. „Man muss sehr strukturiert sein, um alles zu schaffen.“

Weg in den Spitzensport ist schwer

Neben einem guten Zeitmanagement erwerben junge Sportler aber noch mehr Fähigkeiten durch den Leistungssport, erklärt Johanna Belz von der Sporthochschule: „Wenn ich in einem Team Sport treibe, kann es soziale Kompetenzen fördern.“ Auch kognitiv könne Sport viele positive Effekte haben. „Ich lerne es, Stress zu regulieren, ich lerne, konzentriert zu sein, ich lerne, mit Niederlagen und Rückschlägen klarzukommen“, betont sie.

Denn der Weg in den Spitzensport sei schwer. „Generell ist es so, dass sich der organisierte Sport wie eine Pyramide aufbaut“, erklärt Belz. „Unten ist es recht breit, nach oben hin zu den Spitzenleistungen wird es immer schmaler.“ Ob Sportler es ganz an die Spitze schafften, hänge von vielen Faktoren ab, auch von der Psyche. „Es bringt nichts, die besten körperlichen Voraussetzungen, das größte Talent zu haben, wenn ich es nicht schaffe, die Leistung unter Druck abzurufen.“

Nuancen entscheiden

Das weiß auch Ben Duwenbeck. „Man muss bei Wettkämpfen auf den Punkt voll da sein“, sagt er. „Alle springen stark, wenn du beim Wettkampf also nicht alles abrufst und lieferst, gewinnen halt die anderen. Da entscheiden oft nur Nuancen.“

Doch genau das begeistere ihn, „dass man da seine mentale Stärke ausspielen kann“: Er brauche den Druck, weil dieser zusätzliche Motivation sei. „Ich springe auch besser, wenn Tausende zuschauen und mich anfeuern, als wenn niemand im Publikum sitzt“, erklärt Duwenbeck. Gleichzeitig versuche er mit einer Lockerheit an die Wettkämpfe zu gehen. „Das Ziel ist immer, es nicht zu ernst zu nehmen - es ist nur Sport - auch, wenn man es natürlich ernst nimmt.“

Größtes Ziel: Internationaler Wettbewerb

Sein größtes Ziel ist es, einmal an einem internationalen Wettbewerb teilzunehmen. „Das ist mein Traum: Das erste Mal im Deutschland-Trikot zu starten.“ Dieses Jahr hat es mit dem WM-Ticket für die U20-Weltmeisterschaft in den USA im August noch nicht geklappt. Kurz vor den Deutschen U20-Meisterschaften, bei denen sich die beiden bestplatzierten Nachwuchsstabhochspringer für die WM qualifizieren konnten, hat Ben Duwenbeck sich am Fuß verletzt und konnte nicht antreten.

Dennoch gibt er seinen Traum nicht auf. Der Sport bleibt weiterhin seine größte Priorität. „Nach dem Abitur möchte ich gerne studieren. Welche Studienrichtung weiß ich zwar noch nicht, aber ich möchte am liebsten dorthin gehen, wo ich Sport und Studium gut kombinieren kann.“

Von Nadia Gering (epd)