Der WDR benennt seine jungen Radiowellen Cosmo und 1Live Diggi um und richtet die Programme neu aus. Der Rundfunkrat habe die Reformvorhaben mit knapper Mehrheit gebilligt, teilte das Gremium nach seiner Sitzung mit. Damit soll Cosmo vom Frühjahr 2027 an als 1Live Street und 1Live Diggi als 1Live Lounge auf Sendung gehen.
Die neuen Namen sollen wiedergeben, wofür die Sender stehen, erklärte der Rundfunkrat. Bei 1Live Lounge werde es ruhiger zugehen: Ein Sender zum „(mentalen) Abschalten mit entspannter Musik und ohne die Krisen dieser Welt ständig zu thematisieren“. 1Live Street hingegen solle die Hip-Hop-Kultur in den Mittelpunkt stellen und damit auch Menschen mit internationaler Geschichte abholen.
Kontroverse Debatte zu Veränderungen bei Cosmo
Bereits im Vorfeld der Sitzung seien die Veränderungen bei Cosmo kontrovers diskutiert worden, hieß es. Dabei habe die Frage im Fokus gestanden, ob der WDR seinem Auftrag zur Förderung des interkulturellen Zusammenlebens mit dem neuen Konzept weiter nachkommt. Die Diskussion in der Sitzung geprägt von Fragen zur Zukunft der fremdsprachigen Angebote gewesen, zum Verbleib des Global Pops beziehungsweise zur Weltmusik im senderweiten Angebot und wie der WDR beim Thema interkulturelles Miteinander auch Menschen über 30 erreichen möchte. Die Mitglieder stimmten den Angaben nach schließlich mit knapper Mehrheit für die Programmschemaänderung zum April 2027.
Grüne Rundfunkrats-Mitglieder stimmten gegen den Beschluss
Den Beschluss kritisierte Frank Jablonski, kulturpolitischer Sprecher der Grünen NRW-Landtagsfraktion und Mitglied im WDR-Rundfunkrat. „Dass aus Cosmo künftig 1Live Street wird und wichtige Inhalte der Radiowelle wie die mehrsprachigen Angebote komplett gestrichen werden, lehnen wir ab.“ Die vorgestellten Pläne seien keine Weiterentwicklung, sondern eine Abwicklung von Cosmo. Die Grünen-Mitglieder im WDR-Rundfunkrat hätten daher geschlossen gegen die Pläne gestimmt. „Als einziges mehrsprachiges ARD-Radioprogramm verlieren wir damit ein Angebot, das wie kaum ein anderes kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe repräsentiert hat.“
Online-Petition wirbt für Erhalt von Cosmo
Eine Online-Petition zum Erhalt des interkulturellen Hörfunkprogramms Cosmo hatte im Vorfeld breite Unterstützung gefunden. Die Petition hätten bislang über 95.000 Menschen unterzeichnet, hatte das „Team Save Cosmo“ in Berlin erklärt. Der Sender ist ein Kooperationsprojekt von WDR, RBB und Radio Bremen, die redaktionelle Gesamtverantwortung liegt beim WDR. Cosmo sei in der ARD „das einzige Radioprojekt, das konsequent mehrsprachig arbeitet, migrantische und queere Perspektiven redaktionell verankert hat, und Menschen ein Zuhause bietet, die sich als Teil einer offenen, modernen Gesellschaft der politischen Mitte fühlen“, hieß es in der Petition.