„Ruf doch mal an...“, so warb einst die Deutsche Bundespost fürs Telefon. Waren Menschen in den 1970er Jahren stolz auf ihren mausgrauen „Fernsprechtischapparat“, von der Post auch „FeTAp“ genannt, prahlen sie heute mit ihrem Smartphone. In den USA, wo das Telefon vor 150 Jahren erfunden wurde, ist der 25. April der nationale Tag des Telefons. Obwohl es in Deutschland mittlerweile mehr Mobilfunk-Anschlüsse als Einwohner gibt, wird Telefonieren zunehmend unbeliebter.
Als Erfinder des Telefons gilt Alexander Graham Bell (1847-1922). Am 14. Februar 1876 meldete der Wissenschaftler beim US-Patentamt in Washington das erste funktionierende Telefon zum Patent an. Kurios: Nur wenige Stunden später wurde Konkurrent Elisha Gray (1835-1901) am selben Ort vorstellig - allerdings nur mit einem vorläufigen Patentgesuch. Bereits 15 Jahre zuvor entwickelte der deutsche Physiklehrer Philipp Reis (1834-1874) ein Telefon. Es soll aber nicht so gut funktioniert haben, ein Erfolg blieb aus.
Grenzen von Raum und Zeit aufgehoben
Der Hamburger Medienwissenschaftler Heinz Hiebler sieht im Telefon eines der „ersten analogen Medien, mit deren Hilfe das Kommunikationsmonopol von Schrift und Buchdruck durchbrochen“ wurde. Frank Gnegel vom Museum für Kommunikation Frankfurt sagt, nach der vorangegangenen Einführung der Telegrafie um 1850 habe das Telefon „die Grenzen von Raum und Zeit in der Kommunikation endgültig aufgehoben“.
Laut Hiebler war das Telefon „ursprünglich ein recht kostspieliges Medium, das sich aufgrund der hohen Einrichtungs- und Sprechgebühren anfangs nur Wohlhabende oder besonders kommunikationsaffine Berufsgruppen wie Ärzte, öffentliche Einrichtungen oder Wirtshäuser leisten konnten“. Entsprechend sei es anfangs „weniger zum zwanglosen Plaudern als zur dringenden Übermittlung von Informationen oder zum raschen Treffen von Entscheidungen genutzt“ worden.
Langes Warten auf den Anschluss - vor allem in der DDR
Anders als in der Bundesrepublik war es in der DDR laut Gnegel deutlich schwieriger, an einen Telefonanschluss zu kommen. Das zeigten auch die Zahlen, sagt er: „Im Jahre 1978 gab es in der Bundesrepublik Deutschland 21,1 Millionen Telefonanschlüsse, in der DDR lediglich 2,7 Millionen.“ Allerdings hätten Menschen auch in der Bundesrepublik damals oft viele Monate auf einen Telefonanschluss warten müssen.
Um 1990 herum kamen in Deutschland erste Handys auf den Markt, ein paar Jahre später erste Smartphones. 2025 zählte die Bundesnetzagentur in Deutschland mit Sitz in Bonn 38,2 Millionen Festnetz- und 110,4 Millionen Mobilfunk-Anschlüsse - bei rund 83,5 Millionen Einwohnern. Ein Jahr zuvor verzeichnete sie in Deutschland 57 Milliarden abgehende Telefonie-Minuten aus dem Festnetz und 147,8 Milliarden abgehende Minuten aus dem Mobilfunk. Doch der Trend ist rückläufig.
Manche Menschen haben Angst zu telefonieren
Manche Menschen haben sogar Angst zu telefonieren. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom haben 36 Prozent der Deutschen schon einmal aus Angst vor dem Telefonieren notwendige Anrufe aufgeschoben. Unter den 16- bis 29-Jährigen taten das sogar schon 44 Prozent. Insgesamt ein Drittel der befragten Deutschen fühlt sich unwohl dabei, mit fremden Leuten zu telefonieren. Im Freundeskreis und innerhalb von Familien schreiben 40 Prozent der Deutschen lieber eine Nachricht, als anzurufen - unter den 16- bis 29-Jährigen sogar 52 Prozent.
Wer Angst vor dem Telefonieren hat, leidet laut dem Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow unter sozialer Phobie. Viele Menschen hätten „eine unbegründete Angst, durch andere Leute kritisiert zu werden oder sich zu blamieren“, das gelte beim Telefonieren ebenso wie bei Tests oder Vorträgen. Diese Menschen litten unter einer „gesteigerten Art der Schüchternheit“, das sei „beim Telefonieren ganz besonders schlimm“. Wer statt zu telefonieren eine SMS oder „WhatsApp“-Nachricht schreibe, könne sich seine Antwort überlegen.
Telefonseelsorge mit offenem Ohr für Sorgen und Nöte
Umgekehrt gibt es Menschen, die per Telefonat Hilfe suchen und erhalten. Möglich macht das die Telefonseelsorge, die laut Mareile Rösner, Leiterin Telefonseelsorge bei der Diakonie Hamburg, bundesweit kostenfrei unter der Nummer 0800/111 0 111 erreichbar ist. Speziell ausgebildete Ehrenamtliche beraten anonym Ratsuchende unabhängig von Konfession, Herkunft oder Weltanschauung, erläutert Rösner.
Technisch hat sich in den zurückliegenden Jahren vieles verändert. Die Festnetz-Telefonie etwa ist in Deutschland laut Bundesnetzagentur nahezu komplett auf das sogenannte „Voice-over-Internet Protocol“ umgestellt worden. Telefonzellen sind aus dem Stadtbild verschwunden. Doch allen Änderungen zum Trotz: Gnegel geht davon aus, dass das Telefon seine Bedeutung auch in den kommenden Jahrzehnten behalten wird, „denn mit dem Mobiltelefon kann man überall miteinander in Kontakt kommen“. Außer im Funkloch.