NRW-Museen: tanzende Götter, leere Kirchen und Gebote
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Bundeskunsthalle in Bonn zeigt ab Oktober die Ausstellung "Nie wieder! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen".
Köln (epd).

Museen in Nordrhein-Westfalen zeigen auch 2026 wieder Ausstellungen mit Bezügen zu Religion oder Kirche. Bis zum 8. Februar widmet sich das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln mit der Schau „Missionssammlungen ausgepackt“ dem Sammeln von Objekten durch katholische und evangelische Missionsgemeinschaften im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Exponate erzählten von den kolonialen Machtverhältnissen, in denen sie gesammelt wurden, hieß es. Die Schau in dem völkerkundlichen Museum frage auch danach, welche Rolle die Missionare bei der Erfassung, Klassifizierung und Weitergabe materieller Kultur spielten.

Am 12. März eröffnet im Zentrum für Verfolgte Künste in Solingen die Ausstellung „Manya Gutmann: Blickwechsel“. Bis 26. April präsentiert die Schau Porträts jüdischer Künstlerinnen in der Weimarer Republik, der NS-Zeit und während des Zweiten Weltkriegs. Die Ausstellung informiert etwa über Dora Bromberger, die ab 1928 Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde in Bremen war und 1942 in der NS-Vernichtungsstätte Maly Trostinez - im heutigen Belarus - ermordet wurde. Die Schau informiert auch über Malva Schalek, die in dem nationalsozialistischen Konzentrationslager Theresienstadt, in der heutigen Tschechischen Republik, den Lageralltag in über 100 Zeichnungen und Aquarellen festhielt. Vorgestellt wird auch die Hamburger Künstlerin Anita Rée, die sich 1933 das Leben nahm.

Tänzer und Fotografen visualisieren die fünf Elemente

Bis zum 15. März zeigt das Kloster Kamp im niederrheinischen Kamp-Lintfort die Ausstellung „Gott tanzt - Die Elemente“. Die Künstlerin und Bodypainterin Liefi Olivier wagte sich gemeinsam mit dem niederländischen Fotografen Gerard Boymans an ein Projekt, das die fünf Elemente Feuer, Wasser, Luft, Erde und Metall anhand tänzerischer Darstellung visualisiert. In Tänzerinnen und Tänzern von Ballett-Compagnien wie Intro Dans Arnheim oder Staatsballett München fanden die Niederländer Mitstreiter.

In Köln zeigt das Museum Schnütgen mit seiner Expertise für mittelalterliche Kunst noch bis zum 17. Mai die Ausstellung „Glaube mit Humor - Ein Gebetbuch aus Nordfrankreich“. Das Gebetbuch stammt aus der Zeit um 1300 und stellt laut Museum „ein prachtvolles Beispiel für die Buchmalerei der französischen Gotik“dar, das auch Einblicke in die mittelalterliche Lebenswelt gibt. Besonders prächtig sind die Zierseiten, die mit der Gestaltung der Seitenränder mitunter humorvoll feierliche Gebetstexte bildlich kommentieren.

Ab Mai nächsten Jahres zeigt die Stiftung Kloster Dahlheim im westfälischen Lichtenau die Ausstellung „Die Macht der Regeln! Zwischen Freiheit und Kontrolle“. Die Schau hinterfragt, was „Tempo ohne Limit, Fußball ohne Abseits, Kant ohne Imperativ oder auch Erziehung ohne Berechtigte“ wären. Regeln gebe es im Straßenverkehr, im Sport, in der Philosophie, im Restaurant und im Kloster, erklärten die Ausstellungsmacher. Die Schau frage nach dem Einfluss von Gesetzen, Geboten, Vorschriften und Verordnungen auf das Miteinander unterschiedlichster Gemeinschaften.

Neue Ideen für Kirchen-Leerstand

Im Rahmen der europäischen Kunstbiennale Manifesta 2026, die vom 21. Juni bis 4. Oktober im Ruhrgebiet gastiert, waren Kulturschaffende aufgerufen, leerstehende Gotteshäuser mit kreativen Konzepten neu zu beleben. Insgesamt 16 ausgewählte Projekte werden präsentiert. Darunter sind auch zwölf Kirchen in Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Duisburg.

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt vom 9. Oktober bis zum 2. Mai 2027 die Ausstellung „Nie wieder! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen“. Die Schau fragt danach, wie es um die Erinnerungskultur und Gedenkpolitik in Deutschland im Hinblick auf die NS-Vergangenheit steht. In den kommenden Jahren werde es kaum noch Überlebende des Holocaust und andere Opfer des Terrorregimes der Nationalsozialsten geben, die über ihre Ereignisse berichten könnten. Die Schau untersucht vor allem mit Mitteln der Kunst und digitaler Medien sowie mit historischen Zeitzeugnissen und Objekten verschiedene Methoden des Gedenkens.

Das Folkwang Museum in Essen widmet sich nach eigenen Angaben zum ersten Mal der ehemaligen „Islamischen Abteilung“ des Folkwang Museums in Hagen und ihrem Widerhall im modernen Folkwang-Kosmos. Museumsgründer Karl Ernst Osthaus (1874-1921) trug demnach zunächst Kunsthandwerk aus Nordafrika und Westasien zusammen. Rund 300 Exponate geben erstmals einen repräsentativen Überblick über die Sammlung islamischer Kunst. Die Schau mit dem Titel „Nach Damaskus ...“ ist bis zum 21. Februar zu sehen.

Andreas Rehnolt (epd)