Künstler Tilly will sich von Putin nicht einschüchtern lassen
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Künstler Tilly will sich von Putin nicht einschüchtern lassen.
Düsseldorf (epd).

Der Satiriker und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly will auch in kommenden Umzügen die menschenrechtsfeindliche Politik Russlands weiterhin anprangern. Seine Verurteilung durch ein russisches Gericht zu achteinhalb Jahren Straflager hänge zwar wie ein Damoklesschwert über ihm, aber er wolle sich nicht einschüchtern lassen, sagte er in Düsseldorf. Dort stellte er sein neues Buch „Wer hat Angst vor Pappmaché?“ vor. Es zeigt auf 160 Seiten politische Wagen aus dem Düsseldorfer Karneval, darunter alle, die Wladimir Putin betreffen. Auch geht es um die Verurteilung in Russland.

Es gelinge ihm nicht immer, über die Gefahr, die das Urteil persönlich für ihn und seine Familie bedeute, hinwegzusehen, erklärte der Künstler. „Aber den Gefallen, dass ich Putin nicht mehr im Karneval zeige, will ich ihnen nicht tun.“ Von dem Prozess gegen ihn in Moskau habe er nur zufällig erfahren, erläuterte Tilly. Er sei weder informiert noch vorgeladen worden. An der Härte des Urteils könne man immerhin erkennen, dass Satire die Dargestellten treffe und schmerze.

Wagen werden unmittelbar vor Umzug geplant

Seine Wagen sind laut Tilly inzwischen weit über Düsseldorf und den Karneval hinaus bekannt, werden in vielen Ländern gezeigt. Es käme ihm immer darauf an, „eine Bildformel zu finden, die sofort verstanden wird“, sagte er und kündigte für den nächsten Rosenmontag am 8. Februar 2027 wieder freche Wagen an. Vermutlich werde Putin wieder in einigen Szenen aus Pappmaché dabei sein, erklärte der Satiriker. Traditionell plant er seine Wagen erst unmittelbar vor dem Umzug.

Buchherausgeberin Eva Creutz erklärte, dass vermutlich ein Wagen aus dem Jahr 2024 besonders provoziert habe. Da kniet der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche vor Putin und küsst den Saum seiner Uniformjacke, was durchaus als sexuelle Anspielung verstanden werden könnte. Creutz und Tilly betonten, dass Russlands Umgang mit dieser Kritik auch im Westen ernst zu nehmen sei. „Womöglich ist das ein Vorbote einer Politik, die von demokratiefeindlichen Kräften auch bei uns vorbereitet wird“, sagte die Buchherausgeberin. Sie sieht in dem Buch einen Weckruf, die Demokratie nicht für selbstverständlich zu halten, sondern aktiv zu schützen. Tilly werde in Deutschland vor allem aus AfD-nahen Kreisen bekämpft und mit Hassmails überzogen.