20 Jugendliche aus Westfalen gehen in der kommenden Woche bei einem Grabungscamp auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 auf Spurensuche. Gemeinsam mit Fachleuten der LWL-Archäologie und der Jugendbauhütte Westfalen untersuchen sie die Überreste des historischen Lagergeländes in Schloß Holte-Stukenbrock, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mitteilte. Das Projekt solle den Jugendlichen ermöglichen, sich unmittelbar mit der wechselvollen Geschichte des Ortes während und nach dem Zweiten Weltkrieg auseinanderzusetzen.
Mit Kelle, Maßband und Kamera lernten die Jugendlichen zunächst die Grundlagen archäologischer Ausgrabungen, hieß es. Sie legten Flächen frei, dokumentierten Befunde und bergen Funde, die anschließend ausgewertet werden.
Vom Kriegsgefangenenlager zum „Sozialwerk Stukenbrock“
Das Stalag 326 in der Senne bei Bielefeld war während des Zweiten Weltkrieges eines der größten Lager für sowjetische Kriegsgefangene. Etwa 300.000 Gefangene durchliefen zwischen 1941 und 1945 das „Stammlager 326“ der Nationalsozialisten. Von dort aus wurden sie zur Zwangsarbeit im Ruhrbergbau sowie in Landwirtschaft und Industrie eingesetzt. Schätzungen zufolge starben etwa 65.000 Menschen aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen in dem Lager, in einem nahe gelegenen Lazarett und in den Arbeitskommandos.
Nach dem Krieg wurde auf dem Gelände ein „Sozialwerk Stukenbrock“ für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler aufgebaut. Das Übergangslager, das unter Leitung des Landes Nordrhein-Westfalen von mehreren Wohlfahrtsverbänden betrieben wurde, bestand bis 1970. Insgesamt sollen dort rund 150.000 Personen vorübergehend gewohnt haben.
Eine Dokumentationsstätte vor Ort erinnert seit 1997 an die Geschichte und Einzelschicksale des früheren Kriegsgefangenenlagers. Nach Plänen von Bund, Land NRW und LWL soll der Gedenkort bis 2029 zu einer Gedenkstätte von nationaler und internationaler Bedeutung ausgebaut werden.