"Ich bin ein Sender..." - Beuys-Zeichnungen im Dresdner Schloss
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Dresdner Kupferstich-Kabinett zeigt Zeichnungen von Joseph Beuys
Dresden, Düsseldorf (epd).

Fett und Blut auf Papier: Die Aktionskunst von Joseph Beuys (1921-1986) ist bereits in seinem zeichnerischen Werk angelegt. Das zeigt von Freitag an bis zum 17. Januar eine Ausstellung des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Mehr als 100 Beuys-Arbeiten sind im Dresdner Residenzschloss zu sehen, wie die Direktorin des Kupferstich-Kabinetts, Stephanie Buck, erläuterte. Sie stammen aus der Sammlung Bastian mit rund 170 Arbeiten von Beuys, die Aeneas Bastian dem Museumsverbund 2020 als Dauerleihgabe überlassen hatte.

Die Ausstellung mit dem Titel „Ich bin ein Sender… Die Zeichnungen von Joseph Beuys“ umfasst laut Kurator Martin Buhlig einen Schaffenszeitraum von 40 Jahren. Gezeigt werden Werke aus den Jahren 1945 bis 1985, darunter auch mehrere Blätter, auf die der Künstler braune Rostschutzfarbe auftrug sowie Skizzen für spätere politische Aktionen. Es sei eine „Gelegenheit, die Tiefe, Komplexität und anhaltende Lebendigkeit seines Schaffens als Zeichner kennenzulernen“, sagte der Kurator.

„Radikale Sprengkraft“

Buhlig betonte, Beuys sei zwar vor allem für seinen künstlerischen Aktionen und außergewöhnlichen Materialien bekanntgeworden. Aber seine „radikale Sprengkraft“ und viele seiner Prinzipien seien schon in den Zeichnungen angelegt. Museumschefin Buck betonte die „Kraft“, die von seinen Werken ausgehe.

Aeneas Bastian hatte dem Museum in den vergangenen Jahren bereits drei Zeichnungen aus der von seinen Eltern begründeten Beuys-Familiensammlung geschenkt. Anlässlich der aktuellen Ausstellung im Kupferstich-Kabinett kamen nun zwei weitere Schenkungen dazu.

Bastian sagte: „Ich freue mich, dass die Sammlung in Dresden öffentlich gezeigt wird.“ Sie habe in Dresden ihren Bestimmungsort gefunden. „Für mich ist sie nicht abgeschlossen: Ich werde sie auch in Zukunft erweitern und dem Kupferstich-Kabinett weitere Werke von Beuys schenken“, sagte Bastian, dessen Vater Heiner Bastian als Freund und Privatsekretär im ständigen Austausch mit dem Düsseldorfer Künstler war. Bis zur Dauerleihgabe 2020 besaß das Kupferstich-Kabinett lediglich eine Zeichnung von Beuys. Der Künstler selbst war nie in Dresden.

Zeichenblätter wie ein Bildhauer bearbeitet

Beuys, der an der Kunstakademie Düsseldorf selbst studiert und später als Professor gelehrt hatte, wurde als Aktionskünstler und Bildhauer bekannt. Er beschäftigte sich mit Fragen des Humanismus, der Sozialphilosophie und Anthroposophie. In seinem zeichnerischen Werk habe er mit botanischen Collagen angefangen, sagte Buhlig. Später setzte er vermehrt auch Substanzen wie Fett oder Blut ein, die das Zeichenpapier veränderten. In seinem Werk spielten Transformation und der Wechsel von einem Zustand in einen völlig anderen eine zentrale Rolle.

Er habe Zeichenblätter „wie ein Bildhauer“ bearbeitet, sagte Buhlig. So wurde ein mit Farbe getränktes Papier wellig. Hinzugefügte Fundstücke wie etwa ein Notizblock verleihen einer Zeichnung eine skulpturale Qualität. Der Titel der Ausstellung verweist auf das Zitat von Beuys aus einem WDR-Interview 1969: „Ich bin ein Sender, ich strahle aus.“

Möglich wurde die Präsentation den Angaben zufolge in Kooperation mit der Menil Collection im US-amerikanischen Houston, wo sie von März bis Juli 2027 zu sehen ist.

Von Katharina Rögner (epd)