Ein Maler auf der Suche nach einer besseren Welt
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Franz Marcs "Affenfries" von 1911
Umfassende Ausstellung zu Franz Marc in der Kunstsammlung NRW
Düsseldorf (epd).

Ohne ein blaues Pferd wäre eine Franz Marc-Ausstellung unvollständig. Oft hat er die Tiere in dem kräftigen Blau gemalt, das in seiner eigenen Farbenlehre sowohl den geistigen Blick auf die Welt als auch Männlichkeit symbolisiert. Die neue umfassende Marc-Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt ein blaues Pferd von hinten, mit starken runden Formen, das in die Landschaft blickt.

Das Bild verweise auf das berühmte Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich, sagte Kuratoin Susanne Meyer-Büser am Donnerstag. Auch er ist von hinten zu sehen und lenkt, wie das blaue Pferd, den Blick der Betrachter auf die vor ihm liegende Landschaft.

Mitbegründer der Gruppe „Der Blaue Reiter“

„Es kostete Franz Marc enorm viel Mut, Pferde blau, eine Kuh gelb oder leuchtend rot zu malen“, erläuterte die Kuratorin. Er habe damit in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts Skandale verursacht. Aber gerade das mache den Mitbegründer der Gruppe „Der Blaue Reiter“ mit seinem Freund August Macke und Künstlerinnen wie Gabriele Münter und Marianne von Werefkin, zu einem der bedeutendsten Maler des Expressionismus. Dabei schuf er sein Werk in nur wenigen Jahren von 1903 bis kurz vor seinem gewaltsamen Tod 1916 im Ersten Weltkrieg.

Marcs „Suche nach einer besseren Welt“ gibt der Ausstellung den Titel. Sie umfasst mit 120 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen aus Museen aus ganz Europa und den USA etwa der Hälfte seines gesamten Werks. Tiere gehörten für ihn zu dieser besseren Welt, hieß es. Sie hätten ihm eine Ahnung von der Harmonie des Daseins gegeben. Ihr inneres Wesen versuchte er zu erfassen in Bildern, die heute ikonisch sind: der blaue, schlafende Fuchs, die weiße Katze, die kleine Gruppe gelber Pferde.

Malstil wandelt sich im Laufe der Zeit

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts fand der 1880 geborene Franz Marc als junger Maler in München Halt angesichts einer Welt im Umbruch. Im späten Kaiserreich rangen festgefahrene Traditionen in Familien und Gesellschaft mit den Neuerungen der Mechanisierung und Technisierung. „Marc hatte ein feines Gespür für diesen Wandel und konnte in der Darstellung der Tiere etwas Neues, Kreatives erschaffen,“ sagte die Leiterin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Susanne Gaensheimer.

Je näher der Erste Weltkrieg rückte, desto mehr wandelte er seinen Stil. Angeregt vom französischen Maler Robert Delaunay und dessen geometrischen Formen malte Marc eine Gebirgslandschaft als „steinigen Weg“ im Stil des Kubismus. Ein für ihn untypisches Bild „Das arme Land Tirol“ zeigt eine verstörende Landschaft mit geschundenen schwarzen Pferden, einem bedrohlichen Vogel und Grabkreuzen im Mittelpunkt: Vorboten des Krieges. Um das Jahr 1913 verlässt er die Gegenständlichkeit ganz, findet aber in Kompositionen abstrakter Formen zu seinen starken Farben zurück.

Gesamtes Werk entstand in weniger als 15 Jahren

„Es ist erstaunlich, wie viele Stile Franz Marc in den insgesamt nur knapp 15 Jahren seines Schaffens hervorgebracht hat“, sagt Susanne Meyer-Büser. Das Museum habe die Ausstellung eines Künstlers, der in politisch schwierigen Zeiten eine bessere Welt gesucht und seinen eigenen Ausdruck gefunden habe, bewusst für die Gegenwart ausgewählt. „Wir möchten auch heute in politisch schwierigen Zeiten einen positiven Beitrag leisten und vielleicht sogar Hoffnung machen,“ sagte Museumsdirektorin Gaensheimer.

Franz Marc glaubte eine kurze Zeit, der Krieg, der 1914 begann, könnte die Verkrustungen der alten Welt aufbrechen und in ein neues, modernes Europa führen. So gehörte er zu denjenigen, die schon im ersten Kriegsjahr an die Front zogen. Nach dem frühen Tod seines Freundes August Macke verlor er aber seine Illusionen. Zwei Fronturlaube konnte er noch in Bayern mit seiner Frau, Maria Marc-Franck, verbringen. Bei einem Erkundungsritt an der Front unweit von Verdun wurde Franz Marc 1916 im Alter von 36 Jahren erschossen.

Von Irene Dänzer-Vanotti (epd)