Durch das Gedankenkarussell spazieren, sich in einer Kuschelecke auf Sitzkissen ausruhen, in der „Silent Disco“ mit Kopfhörern zu Liedern über Schlaf tanzen oder in der Schlummerecke auf eine Traumreise gehen - das können Besucher in der neuen interaktiven Ausstellung „Gute Nacht“ in der Dasa Arbeitsschutz Ausstellung in Dortmund. Bis zum 5. September 2027 richtet sie sich an alle Generationen und beginnt mit dem „Einschlafen“. Dann geht es weiter zu den Themen „Durchschlafen“, „Träumen“, „Wachbleiben“ und „Aufwachen“.
Jeder Mensch hat einen anderen Chronotypen. „Ob wir zu den Lerchen oder Eulen gehören, ist genetisch bestimmt“, sagt Sarah-Louise Rehahn, Projektleiterin und Kuratorin der Ausstellung. Während „Lerchen“ Frühaufsteher sind, werden „Eulen“ eher Richtung Nachmittag und Abend aktiv. Rund 60 Prozent der Menschen seien jedoch der Zwischentyp „Taube“, sagt Rehahn. Die einzelnen Typen und ihre Eigenschaften werden in der Schau nicht nur für Erwachsene erklärt, sondern auch für Kinder mit kleinen Geschichten über Ella, die Eule, Timo, die Taube oder Lilli, die Lerche verbunden. Diese können Kinder von Abreißblöcken mit nach Hause nehmen.
Tipps vom Abreißblock
Abreißblöcke ziehen sich durch die gesamte Ausstellung und richten sich nicht nur an Kinder, sondern auch an Erwachsene. Die Tipps zum Mitnehmen machen Vorschläge etwa zum besseren Einschlafen. „Einschlafrituale vor dem Schlafengehen sind total wichtig, auch für Erwachsene“, sagt Rehahn. „Eine Routine hilft dem Körper und dem Geist dabei, runterzukommen. Das spielt eine große Rolle dabei, ob und wie wir einschlafen können.“ Zum Beispiel könne man jeden Abend noch ein paar Seiten lesen oder ein Hörbuch hören. Ein „Tipp zum Mitnehmen“ ist auch, sich bewusst Zeit zum Grübeln zu nehmen und die Sorgen danach an einem festen „Grübelort“ zurückzulassen. „Denn oft hält uns das Gedankenkarussell vom Schlafen ab“, sagt Rehahn. Deshalb gibt es in der Ausstellung eine Gedankenkarussell-Installation.
Kinder dagegen können manchmal nicht einschlafen, weil sie Angst vor der Dunkelheit oder Monstern haben. Die Kinderstation im Bereich „Durchschlafen“ widmet sich deshalb den Schattenmonstern. Hier bekommen Eltern Tipps, wie sie ihren Kindern helfen können, die Angst vor der Nacht zu verlieren. Außerdem befindet sich dort eine Bastelstation, an der Kinder kleine Sorgenfresser basteln können. Direkt daneben können Erwachsene ihre Sorgen auf ein Blatt Papier schreiben und dieses direkt in einen Schredder geben. In der Schlummerecke, einer Audiostation, werden Tipps gegeben, was Kinder und Erwachsene tun können, wenn sie nachts wach werden und nicht mehr einschlafen können. Es gibt Kopfhörer mit Traumreisen, entspannender Musik oder dem Vortrag von Wikipedia-Einträgen.
Schlafmangel hat gleichen Effekt wie Alkohol
Doch in „Gute Nacht“ geht es nicht nur ums Schlafen, sondern auch ums Wachbleiben. Nachtschichten, nächtliche Care-Arbeit oder Discobesuche sorgen manchmal für schlaflose Nächte. „In 'Wachbleiben' zeigen wir verschiedene Strategien, wie Menschen besser mit der Nachtschichtarbeit umgehen können“, erklärt Rehahn. Denn auf Dauer sei Nachtschichtarbeit nicht gut für den Körper. „Abends, wenn es dunkel wird, schüttet unser Körper Melatonin aus, wir werden automatisch müde.“ In der Nachtschicht müsse man gegen die Müdigkeit ankämpfen. Gleichzeitig finde man tagsüber wegen des Tageslichts schlechter in den Schlaf, sagt Rehahn. Um Schlafmangel zu vermeiden, könne man als Arbeitgeber zum Beispiel rotierende Schichtpläne machen und so für einen sanfteren Übergang zwischen Tag- und Nachtschichten sorgen.
Dauerhafter Schlafmangel habe nämlich starke Auswirkungen auf den Körper, erklärt Sophie Winterwerb, ebenfalls Kuratorin der Ausstellung. „Akuter Schlafmangel ist mit einem Alkoholgehalt im Blut von 1,0 Promille zu vergleichen.“ Dies beeinträchtige die Wahrnehmung und die Konzentration. Wie genau es sich anfühlt, unter dauerhaftem Schlafmangel zu leiden, zeigt eindrucksvoll die „Schlafmangel-Brille“, die sich Besucher aufsetzen können. Davor steht ein heißer Draht, an dem sie eine Schlaufe entlangführen müssen, ohne den Draht zu berühren. Mit der „Schlafmangel-Brille“ ist dies gar nicht so einfach.
„Gute Nacht“ künftig auch in Wien und Granada
„Gute Nacht“ ist eine Eigenproduktion der Dasa Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund und kann bis zum 5. September nächsten Jahres besucht werden. Danach macht sie Station im technischen Museum Wien und im Parque de las Ciencias Granada, den Kooperationsinstituten der Dasa.