Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hat die Rolle der Kirchen in den politischen Debatten gewürdigt. Kirche dürfe und müsse auch politisch sein, sagte die SPD-Politikerin bei einem Empfang der rheinischen und der pfälzischen evangelischen Kirche in Saarbrücken. Das dürfe nur nicht mit Parteipolitik verwechselt werden, was aber ihres Wissens noch nie passiert sei.
Auch für die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst, kann Kirche nicht unpolitisch sein, wenn sie das Evangelium in seiner politischen Dimension ernst nimmt. „Wenn wir als Kirche uns politisch äußern und verhalten, dann aus Interesse für die Menschen mit ihren Nöten und Sehnsüchten“, betonte Wüst. „Damit werden wir nicht zu Politikerinnen und Politikern.“ Aber mit ihnen hätten Kirchenleute gemein, dass „wir aus tiefstem Herzen das Interesse am Gemeinwohl und an einer Gesellschaft, in der ein jeder Mensch sein Recht und seinen Platz hat“, teilten.
Wechsel im Amt des Saar-Beauftragten
In einem Gottesdienst in der Saarbrücker Johanneskirche wurde der bisherige Beauftragte der Evangelischen Kirchen für das Saarland, Frank-Matthias Hofmann, in den Ruhestand verabschiedet und sein Nachfolger Thomas Bergholz eingeführt. Der Beauftragte pflegt die Beziehungen zwischen den Landeskirchen und dem Saarland.
Unter den mehreren hundert Gästen der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche der Pfalz waren auch der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und rheinische Altpräses Nikolaus Schneider, der frühere Bundesaußenminister Heiko Maas und der ehemalige saarländische Ministerpräsident Reinhard Klimmt (beide SPD).
Evangelischer Beauftragter als Brückenbauer
Der rheinische Präses Thorsten Latzel nannte den neuen Kirchenbeauftragten Bergholz bei dessen Amtseinführung einen Brückenbauer und konsensorientierten Menschen, „der gut zuhören kann, Ruhe hineinbringt, immer wieder die gemeinsame Basis sucht“. Ein Kompromiss sei für Bergholz „kein politisches Schimpfwort, sondern im besten Fall das Ergebnis eines gelungenen gemeinsamen Verständigungsprozesses“.
„Solch einen Geist der Versöhnung brauchen wir - gerade in unruhigen Zeiten“, erklärte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Spaltung, Hass und Hetze gibt es wahrlich mehr als genug in unserem Land.“ Bergholz war seit 2016 Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Saarbrücken-Mitte und damit der Ludwigskirche. Davor war er unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Dozent für Neues Testament und Kirchengeschichte an einer Theologischen Hochschule in Indonesien.
Hofmann als Lobbyist für die Menschen gewürdigt
Die pfälzische Kirchenpräsidentin Wüst würdigte Hofmanns Rolle als evangelische Stimme und Gesicht. „Sie waren im besten Sinne Brückenbauer zwischen Kirche und Politik, Netzwerker im Spiel gesellschaftlicher Kräfte und klarer Lobbyist für die Anliegen und Sorgen von Menschen“, sagte sie. Hofmann bedankte sich für alles „Ringen um gute Lösungen, im Einsatz für unsere Kirche, im Gespräch mit der Politik und Gesellschaft, im gemeinsamen Suchen nach dem, was heute dran ist“.