Präses Latzel: Olympische Spiele in NRW sind "einzigartige Chance"
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Thorsten Latzel
Drei Fragen an den rheinischen Präses und Sportbeauftragten der EKD
Düsseldorf (epd).

Für den rheinischen Präses Thorsten Latzel sind Olympische Sommerspiele in Nordrhein-Westfalen eine „einzigartige Chance internationaler Begegnung“. Die Spiele müssten nachhaltig gestaltet sein und den Breitensport dauerhaft fördern, sagte der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bis zum 19. April laufen in 17 NRW-Kommunen Bürgerentscheide über eine Olympia-Bewerbung.

epd: Was spricht aus Ihrer Sicht für die Ausrichtung von Olympia in NRW?

Thorsten Latzel: Ich spreche mich persönlich klar für Olympische Sommerspiele in NRW aus. Solche Spiele sind eine einzigartige Chance internationaler Begegnung und Völkerverständigung. Wir können nicht darüber klagen, dass Autokraten sportliche Großereignisse missbrauchen - und dann als Demokratien diese Möglichkeit liegen lassen. Für die Athletinnen und Athleten und den gesamten Sport in Deutschland würden heimische Spiele einen immensen Impuls vermitteln. Ich konnte in Paris erleben, was das für eine Stimmung schafft. Olympische Spiele wären darüber hinaus allgemein eine Werbung für die Rhein-Ruhr-Region. NRW bietet dafür viele vorhandene Sportstätten, eine sehr gute Infrastruktur und eine internationale Bevölkerung - noch dazu mit rheinischem Humor. Und als rheinische Kirche sind wir ohnehin gerne ökumenischer Gastgeber.

Ökologie, Nachhaltigkeit und soziale Wirkung zentral

epd: An Olympia wird etwa wegen wenig Nachhaltigkeit beim Bau von Sportstätten oder finanziell unvorteilhaften Bedingungen für die Gastgeberregion Kritik geäußert. Sollte man dennoch das Geld dafür in die Hand nehmen?

Latzel: Die Gestaltung der Sportstätten und Infrastruktur ist ja Sache des jeweiligen Landes beziehungsweise der Region. Dabei müssen unbedingt Gesichtspunkte von Ökologie, Nachhaltigkeit und sozialer Wirkung eine zentrale Rolle spielen. Das sind alles Themen, für die wir uns als Kirche engagieren. Und hier sehe ich eben die große Chance, wenn Olympische Spiele in einer freiheitlich-rechtsstaatlichen Demokratie stattfinden, wie zuletzt die Winterspiele in Italien. Es darf keine Form von sozialer Verdrängung, unfairen Arbeitsbedingungen oder ökologischer Ressourcen-Verschwendung geben. Ich glaube aber, dass gerade die Rhein-Ruhr-Region, die für einen sozial-ökologischen Wandel steht, hier international Zeichen setzen kann. So gestaltete Spiele können dann gerade zum sozialen Zusammenhalt und zur dauerhaften Förderung des Breitensports beitragen.

Geschlechtertests „ethisch problematisch“

epd: Das IOC will ab den Spielen 2028 verpflichtende Geschlechtertests für den Start in Frauenwettbewerben einführen - Transfrauen sollen daran nicht mehr teilnehmen dürfen. Ist das aus christlich-ethischer Sicht vertretbar?

Latzel: Ein Ausschluss von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität geht nicht. Es ist die Aufgabe von Sportverbänden, für faire Wettkampf-Bedingungen zu sorgen - durch Klassifizierungen nach Gewicht, Alter oder Geschlecht. Es ergibt etwa keinen Sinn, wenn eine 100 kg schwere Person gegen eine 50 kg schwere boxen würde. Angemessene Rahmenbedingungen für fairen Wettkampf sind im Sinne der Athletinnen und Athleten.

Gerade der Para-Sport ist hier ein wichtiges Lernfeld für einen produktiven Umgang mit verschiedenen Formen körperlicher Handicaps in unterschiedlichen Leistungsklassen. Solche Wettkampf-Bedingungen müssen aber gemeinsam im offenen, gesellschaftlichen Diskurs ausgehandelt werden. Und sie dienen dazu, Teilnahme von Athletinnen und Athleten unter fairen Bedingungen zu ermöglichen, nicht Menschen auszuschließen. Ein rein binäres, biologistisch bestimmtes Geschlechterverständnis wird hier nicht weiterführen. Auch die Pflicht zu solchen Tests halte ich für ethisch problematisch. Sport hat eine integrative Funktion und muss sich mit der Gesellschaft weiterentwickeln. Das gilt auch im Blick auf das Recht der sexuellen Selbstbestimmung von Athletinnen und Athleten.

epd-Gespräch: Thomas Krüger