Hilfswerke kritisieren Rückgang bei Geldern für Entwicklungshilfe
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Die Kürzungen seien "ein falsches Signal zur falschen Zeit", sagte Dagmar Pruin von "Brot für die Welt".
Berlin, Aachen (epd).

Hilfsorganisationen schlagen angesichts des weltweiten Rückgangs bei Geldern für die Entwicklungszusammenarbeit Alarm. Mehrere kirchliche Hilfswerke warnten in Berlin vor einem „gefährlichen Abwärtstrend“, auch mit Blick auf die Kürzungen in Deutschland.

Die Präsidentin von „Brot für die Welt“ und der Diakonie Katastrophenhilfe, Dagmar Pruin, forderte die Bundesregierung auf, internationale Verpflichtungen und Zusagen einzuhalten. Deutschland sei weit entfernt von dem international vereinbarten Ziel, 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Entwicklungszusammenarbeit auszugeben. Damit werde „ein falsches Signal zur falschen Zeit“ gesendet, sagte Pruin.

Weltweit Einbruch bei Mitteln für Entwicklungshilfe

Andreas Frick, der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor mit Sitz in Aachen, erklärte, Mittel für humanitäre Hilfe, Wiederaufbau und Entwicklungszusammenarbeit würden in Zeiten zunehmender Krisen und Kriege „dringender benötigt denn je“. Der Bundesregierung warf Frick vor, mit ihrer Kürzungspolitik zu einer „Spirale vermehrter Instabilität und Unsicherheit“ beizutragen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichte am 9. April die vorläufigen Daten für die öffentlichen Entwicklungsgelder der großen Geberländer. Demnach brachen die Mittel 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 23,1 Prozent ein, auf 174,3 Milliarden US-Dollar.

Wesentlich dazu beigetragen hat die Abwicklung der US-Auslandshilfe unter Präsident Donald Trump. Auch Deutschland kürzte die Entwicklungshilfe im Vergleich zum Vorjahr, stieg aber dennoch in absoluten Zahlen zum größten Geber weltweit auf. Gemessen an der Wirtschaftsleistung lag der Anteil der Ausgaben für die Entwicklungshilfe bei 0,56 Prozent.

Kürzungen haben lebensbedrohliche Folgen

Charlotte Becker, Vorständin von Oxfam Deutschland, warf den reichen Ländern vor, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Die Kürzungen seien keine abstrakten Haushaltsentscheidungen, sie hätten „konkrete, lebensbedrohliche Folgen“, sagte Becker. Der entwicklungspolitische Dachverband Venro forderte angesichts der jüngsten Daten eine Kurskorrektur.