Die leitenden Geistlichen der drei evangelischen Landeskirchen in NRW haben nach den jüngsten Wahlen dazu aufgerufen, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen. Eine rechtsextreme Partei erfahre „starken Zulauf“, und viele Bürger fühlten sich mit ihren Problemen von der Politik nicht wahrgenommen, erklärten die westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder, ihr rheinischer Amtskollege Thorsten Latzel und der Präses der Lippischen Landessynode Michael Keil am Montag. Wer das Vertrauen in die Demokratie stärken wolle, müsse Probleme lösen.
Die Spitzenvertreter der Landeskirchen äußerten sich besorgt darüber, dass demokratisch engagierte Menschen angefeindet, freie Medien infrage gestellt und soziale Spaltungen vertieft würden, hieß es weiter. Dies führe dazu, dass „migrantische Mitbürger/innen oder jüdische Geschwister sich in unserem Land nicht mehr sicher fühlen“. Man widerspreche, „wo die gottgegebene Würde von Menschen verletzt wird“ und trete für den Dialog miteinander über Grenzen hinweg ein, erklärten die leitenden Theologen. In Anknüpfung an die Barmer Theologische Erklärung von 1934 erinnerten die Kirchen „an die Verantwortung der Regierenden und Regierten“.
In den Kirchengemeinden, kirchlichen Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Beratungsstellen sei täglich zu erleben, was die Menschen bewege, betonten Ruck-Schröder, Latzel und Keil. Dies seien bezahlbares Wohnen, verlässliche Pflege, gute Bildung, Sicherheit im Alltag, Sorge um den Arbeitsplatz, die Rente und den Zusammenhalt in der Nachbarschaft.
Soziale Probleme betreffen alle gemeinsam
In Nordrhein-Westfalen lebten Menschen unterschiedlicher Nationalität, Herkunft und Kultur oft seit Jahrzehnten selbstverständlich zusammen, sagten die Kirchenleitenden. Die Frage, ob das Leben noch bezahlbar sei, Kitas und Schulen attraktiv seien und der Sozialstaat funktioniere, betreffe alle gemeinsam und sei keine Frage der Herkunft. „Wer über Migration spricht, spricht über unsere Nachbarn und über unsere Verwandten und über uns selbst“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
Ruck-Schröder, Latzel und Keil betonten, Menschen mit unterschiedlichen Positionen sollten in den Kirchen eine „geistliche Heimat“ haben. Kirche biete Orte der Verständigung an. Christsein heiße, miteinander essen und reden zu können, auch bei gegensätzlichen Anschauungen. „Im Glauben an die Liebe Gottes verbindet uns mehr miteinander, als uns voneinander trennt“, erklärten die Theologen.