Die Synoden der evangelischen Kirchenkreise Lübbecke und Minden werden in den kommenden Monaten über eine Vereinigung beider Körperschaften beraten und entscheiden. Angestrebt werde eine Fusion zum 1. Januar 2029, kündigten der Mindener Superintendent Michael Mertins und die stellvertretende Superintendentin von Lübbecke, Barbara Fischer, an. Mit dem Schritt solle die Funktionalität der Kirchenkreisarbeit angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen, zurückgehender Finanzkraft und mangelndem theologischem Nachwuchs aufrechterhalten werden, sagte Fischer.
Anstoß für die Überlegungen habe das vorzeitige Ausscheiden des erkrankten Lübbecker Superintendenten Uwe Gryczan zum 1. September gegeben, erläuterte Synodalassessorin Fischer. Der Kreissynodalvorstand halte es für „nicht zukunftsfähig“, diese Stelle erneut für eine achtjährige Amtszeit auszuschreiben. „Um weiter handlungsfähig zu bleiben, suchten wir einen neuen Partner“, so die in Lübbecke-Gehlenbeck tätige Pfarrerin. Aufgrund langjähriger Zusammenarbeit sei Minden dafür „die erste Adresse“ gewesen.
Verbindung beider Superintendenten-Stellen als erster Schritt
Die strukturellen Herausforderungen der Kirchenkreise Minden und Lübbecke seien gleich, sagte Mindens Superintendent Mertins. Auf Einladung aus Lübbecke hätten sich beide Kreissynodalvorstände schnell auf das gemeinsame Ziel eines Kirchenkreises Minden-Lübbecke verständigt. Ein wichtiger Punkt sei dabei auch gewesen, dass in beiden Kirchenkreisen die laufenden Reformprozesse „nicht von oben nach unten“, sondern mit „maximaler Partizipation“ der Gemeindeleitungen abliefen, betonte Mertins.
Vorgesehen ist den Angaben zufolge, dass die Kreissynoden in Minden und Lübbecke am 20. Juni beziehungsweise 11. Juli ausführlich über die Fusions-Pläne beraten. In den Herbstsynoden im November solle eine Beschlussfassung erfolgen, so Fischer und Mertins. Erster Schritt zur Vereinigung soll demnach eine sogenannte „pfarramtliche Verbindung“ beider Superintendenten-Stellen ab 1. Januar 2027 sein. Michael Mertins würde dann für zwei Jahre beide Leitungsämter wahrnehmen - Voraussetzung sei die Zustimmung durch die westfälische Landeskirche.
Vereinigter Kirchenkreis weitgehend deckungsgleich mit Landkreis
Schon bisher arbeiten beide Kirchenkreise in etlichen Bereichen zusammen, wie Synodalassessorin Fischer hervorhob. Als Beispiele nannte sie die Erwachsenenbildung, die Flüchtlingsarbeit und das Schulreferat. Ab 2027 sollten die Leitungsstrukturen wie etwa synodale Ausschüsse zusammengeführt werden, so Fischer. Die Verwaltungen der Kirchenkreise Lübbecke und Minden sowie Herford und Vlotho sind bereits seit Jahresbeginn an einem gemeinsamen Standort in Herford tätig.
Mertins betonte, auch in der Zusammenarbeit mit dem territorial weitgehend deckungsgleichen politischen Kreis Minden-Lübbecke und den Kommunen werde ein vereinigter Kirchenkreis besser aufgestellt sein. Die dem Landkreis angehörende Stadt Bad Oeynhausen sowie der Süden von Porta Westfalica zählen allerdings zum Kirchenkreis Vlotho.
Der Kirchenkreis Minden ist mit 21 Kirchengemeinden und rund 60.000 Mitgliedern etwas größer als Lübbecke. Dort leben rund 50.000 evangelische Christen in 18 Gemeinden.