Der internationale Kirchenbund VEM stellt sich gegen die politische Instrumentalisierung des christlichen Glaubens durch die AfD und andere rechtspopulistische Akteure. Christlicher Glaube dürfe nicht dazu dienen, darüber zu bestimmen, wer zu einer Nation gehört, erklärte der Aufsichtsrat der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) in Wuppertal nach den jüngsten AfD-Wahlerfolgen. Das Christentum dürfe auch nicht genutzt werden, um Migrantinnen und Migranten, Minderheiten, Angehörige anderer Religionen oder Menschen mit anderen kulturellen Prägungen als Bedrohung darzustellen.
Die VEM verweist in ihrer Erklärung auf die biblische Botschaft „Denn Christus ist unser Friede; er hat aus beiden eines gemacht und die trennende Wand der Feindschaft niedergerissen.“ (Epheser 2,14). Der Aufsichtsrat erklärte, er beobachte mit Sorge, dass Vertreter innerhalb der AfD christliche Sprache, die Vorstellung eines „christlichen Westens“ und den Verweis auf vermeintlich selbstverständliche christliche Werte nutzen, um nationalistische und ausgrenzende Vorstellungen zu legitimieren.
Menschen nicht wegen Herkunft oder Glauben Rechte absprechen
Die VEM bekräftigt zugleich, dass es durchaus unterschiedliche theologische Überzeugungen gebe. Doch die Grenze sei dort, „wo Theologien ideologisch werden und wo sie die gleiche Würde aller Menschen infrage stellen“. Christen könnten etwa unterschiedliche Überzeugungen zu Familie, Geschlecht, Migration oder zur Rolle politischer Autorität vertreten. Doch keine Auslegung des christlichen Glaubens dürfe Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens gleiche Würde, gleiche Rechte oder die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft absprechen.
Der Aufsichtsrat rief Kirchen und Gemeinden in Deutschland dazu auf, zwischen christlicher Überzeugung und politischer Zugehörigkeit zu unterscheiden. Nötig sei ein offener theologischer Dialog darüber, was der christliche Glaube beanspruchen kann und was nicht. Dabei könnten die Kirchen in Deutschland und den Schwesterkirchen in Afrika und Asien gegenseitig voneinander lernen.