Kirchen mahnen bei Einheitsfeier zu klarer Haltung gegen Spaltung
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Festgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit
Bremen, Düsseldorf (epd).

Im ökumenischen Festgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit am Samstag in Bremen haben leitende Geistliche der beiden großen Kirchen zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung aufgerufen. „Wahre Stärke gibt es, wo wir einander brauchen und uns gegenseitig etwas zutrauen“, sagte der Kirchenpräsident der Bremischen Evangelischen Kirche, Bernd Kuschnerus, laut Redetext im St.-Petri-Dom.

In anstrengenden Zeiten dürfe sich die Gesellschaft die Zuversicht nicht nehmen lassen, sagte Kuschnerus. Stattdessen müssten Menschen füreinander einstehen und Benachteiligte stützen. Nächstenliebe bedeute, Lasten gemeinsam zu tragen und die Fähigkeiten jedes Einzelnen anzuerkennen, sagte der Theologe mit Blick auf die Fabel von den Bremer Stadtmusikanten: „Einer trage des Anderen Last, damit beginnt die Nächstenliebe.“

Warnung vor dem Recht des Stärkeren

Der Bischof des katholischen Bistums Osnabrück, Dominicus Meier, warnte vor einer Vereinsamung und Überforderung der Bürgerinnen und Bürger in Zeiten des Umbruchs. „Dass Menschen wieder zur Stärke finden, darf nicht dem Zufall überlassen werden“, sagte er. Es dürfe keinesfalls die Haltung entstehen, dass jeder allein seines Glückes Schmied sei. Andernfalls entwickle sich das Zusammenleben zu einer Gesellschaft, in der nur noch das Recht des Stärkeren zähle.

Meier verwies auf die im Grundgesetz verankerte unantastbare Würde aller Menschen und die Botschaft des Evangeliums. Sie schützten die Gesellschaft „vor aller Ausgrenzung, Fremdenhass und Antisemitismus“. Einheit und Zusammenhalt trügen nur dort verlässlich, wo sich Menschen mit klarer Haltung gegen Spaltung und Polarisierung stellten.

Festakt und Staffelstabübergabe an NRW

An dem Gottesdienst unter dem Leitwort „Viele Gaben - ein Geist“ nahmen unter anderem die Spitzen der deutschen Verfassungsorgane, der Bundesländer und der Parlamente teil, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Im Anschluss war ein Festakt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie dem amtierenden Bundesratspräsidenten und Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) vorgesehen.

Die Feiern zum Tag der Deutschen Einheit werden jedes Jahr von einem anderen Bundesland ausgerichtet. Die Austragung ist an die Bundesratspräsidentschaft gekoppelt, die derzeit das kleinste Bundesland innehat. In diesem Jahr stehen die Feiern unter dem Motto „Viele Stärken - ein Land“.

Im kommenden Jahr wird der Tag der Deutschen Einheit in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf gefeiert. Am Samstagnachmittag sollte der Staffelstab symbolisch an NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) übergeben werden, der das Motto für die NRW-Bundesratspräsidentschaft „Gemeinsam verbunden“ vorstellen wollte.

Von Jörg Nielsen (epd)