Die Lippische Landeskirche muss wegen geringer werdender Kirchensteuereinnahmen und Mitglieder in den kommenden Jahren drastisch sparen. Bereits in den ersten vier Monaten habe es im Vergleich zum Vorjahr „einen deutlichen Rückgang“ gegeben, erklärte der juristische Kirchenrat Martin Bock in Detmold. Die Einnahmen im Monat April lägen 13 Prozent unter denen des Vorjahres. Zudem komme eine Inflation von aktuell rund zwei Prozent. Im Jahr 2025 hatte die Höhe der Kirchensteuereinnahmen nach Angaben der Landeskirche bei rund 40 Millionen Euro gelegen.
Für eine Konsolidierung müsse allein der Haushalt für Pfarrstellen um rund ein Drittel von aktuell 9,3 Millionen Euro bis zum Jahr 2035 auf 6,1 Millionen gesenkt werden, erklärte Bock. Das werde Auswirkungen haben auf die Anzahl der Pfarrstellen und auf die Zahl der Gemeindemitglieder, für die eine volle Pfarrstelle zuständig sei. Das könnte bedeuten, dass eine Reduzierung der Zahl der Pfarrstellen von aktuell 60 auf 40 bis zum Jahr 2035 nötig werde. Die Kirchensteuereinnahmen werden auf die Kirchengemeinden, die Pfarrstellen sowie auf die Landeskirche verteilt.
Kirchenrat: Alle Ausgaben auf den Prüfstand stellen
Für den Haushalt der Landeskirche seien innerhalb von fünf Jahren eine Reduzierung von aktuell rund 10,75 Millionen Euro auf rund 8,8 Millionen Euro vorgesehen, erklärte Bock. Um das Sparziel zu erreichen, müssten alle Ausgaben in landeskirchlichen Bereichen wie Ökumene, Diakonie, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit auf den Prüfstand gestellt werden. Allerdings werde die Hälfte des landeskirchlichen Haushalts refinanziert, beispielsweise durch staatliche Zuschüsse für Kitas oder den Schulunterricht.
Die Landessynode, die vom 11. bis 13. Juni in Lemgo zusammenkommt, wird zunächst über die Konsolidierungsstrategie beraten. Der Haushalt für das kommende Jahr beschließt dann die Herbstsynode.
Amtsdauer für Leitungsstellen soll verkürzt werden
Laut einem Beschlussvorschlag soll die Amtsdauer der aktuell vakanten Leitungsstellen des Landessuperintendenten und des theologischen Kirchenrates von zwölf auf sechs Jahre verkürzt werden. Die Stelle des theologischen Kirchenrates soll dem Vorschlag zufolge für sechs Jahre zunächst nicht wiederbesetzt werden. Im Gegenzug soll das Amt des Landessuperintendenten mit einer zusätzlichen Referentenstelle gestärkt werden. Eine Wahl für das Superintendentenamt wäre ab der Herbstsynode möglich.
Der bisherige Landessuperintendent Dietmar Arends war Ende Februar nach dem Ende der zwölfjährigen Amtszeit aus dem Amt verabschiedet worden. Seitdem ist das Leitungsamt der Landeskirche unbesetzt. Bis zu einer Neubesetzung des Amtes des Landessuperintendenten übernimmt nach Angaben des Landeskirchenamts der Präses der Lippischen Landessynode, Pfarrer Michael Keil, die Vertretung für die Aufgaben in Lippe.
Stärkere Beteiligung von jungen Menschen geplant
Zudem geht es auf der Tagung des Kirchenparlaments um Beschlüsse zum Zukunftsprozess der Landeskirche sowie zur Förderung der Beteiligung junger Menschen. Die Synode berät auch über eine Änderung des Kirchengesetzes, mit dem Wahlen von Amtsträgern aus menschenfeindlichen und extremistischen Parteien in ehrenamtlche Leitungsgremien von Gemeinden, Klassen (Kirchenkreise) oder Synode verhindert werden sollen.
Die Landessynode ist das höchste Leitungsgremium der lippischen Kirche mit knapp 126.000 Mitgliedern. Sie tagt regulär zweimal pro Jahr.