Bislang 55 Missbrauchs-Betroffene an Einsatzorten der Salvatorianer
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Themenfoto Missbrauch in der Kirche
Aachen, Paderborn (epd).

Laut einer Studie der Universität Kassel hat es in Einrichtungen und Einsatzorten der Ordensgemeinschaft der Salvatorianer seit 1945 mindestens 139 Fälle von sexuellem, körperlichen, psychischen oder geistlichem Missbrauch gegeben. Bislang seien 55 Betroffene bekannt, die allermeisten davon aus Nordrhein-Westfalen, erklärte ein Forschungsteam der Hochschule am Montag bei der Vorlage eines Zwischenberichts. Neben den Salvatorianern hat auch der in Aachen ansässige Orden der Armen Brüder des heiligen Franziskus die Studie in Auftrag gegeben.

Die allermeisten Missbrauchsfälle hätten sich in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren ereignet, berichtete die Professorin für Rechtspsychologie der Universität Kassel, Julia Sauter. Doch seien durch die Auswertung der Akten und durch Interviews auch Fälle aus den vergangenen Jahrzehnten bekannt geworden. Insgesamt konnten laut Sauter 42 Personen den Delikten namentlich zugeordnet werden, darunter 33 Ordensmitglieder und neun von den Salvatorianern angestellte Personen. Für die „Armen Brüder“ ist die Auswertung demnach noch nicht abgeschlossen, der Orden berichtet von elf beschuldigten Mitgliedern.

Betroffene, Angehörige und Zeitzeugen für vertrauliche Interviews gesucht

Von den 55 bisher festgestellten durch den Missbrauch betroffenen Personen hatten alleine 32 im Salvator Kolleg in Hövelhof (Kreis Paderborn) gelebt, einer Einrichtung der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Seit der Gründung des Kollegs 1915 bis 2003 waren Salvatorianer an Betrieb, Erziehung und Seelsorge beteiligt. Von 1953 bis 1973 hatte der Orden auch die Trägerschaft inne. Weitere 13 Betroffene wohnten als Kinder im Hermann Josef-Haus in Kall-Urft (Kreis Euskirchen). In dem Waisenhaus waren Salvatorianer als Seelsorger für Ordensschwestern und Kinder tätig; der Orden war jedoch nie Träger der Einrichtung.

Für eine zweite Phase der bis Ende Februar 2027 geplanten Untersuchung bitten Wissenschaftler und Ordensgemeinschaften darum, dass sich weitere Betroffene sowie Angehörige und Zeitzeugen für vertrauliche Interviews melden. Jeder Beitrag helfe, sich ein Gesamtbild von Ausmaß und Auswirkungen der Sexual- und Gewaltdelikte zu machen.