Mit einem Gottesdienst ist in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald der von den Nationalsozialisten ermordeten Geistlichen Paul Schneider (1897-1939) und Otto Neururer (1882-1940) gedacht worden. Schneider wurde als Mitglied der Bekennenden Kirche am 18. Juli 1939 im Konzentrationslager auf dem Ettersberg bei Weimar von den Nationalsozialisten ermordet. Er galt unter seinen Mithäftlingen als der „Prediger von Buchenwald“.
Schneider und Neururer stünden stellvertretend für die Vielzahl weiterer Geistlicher, die in Buchenwald gelitten hätten, sagte Pfarrer Peter Gümbel dem Evangelischen Pressedienst (epd). Nach Angaben der Gedenkstätte waren in Buchenwald rund 500 evangelische und katholische Geistliche inhaftiert, gequält und zum Teil auch ermordet worden.
Arrestzelle von Schneider mit Rosen geschmückt
Den Gedenkgottesdienst gestalteten die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde und die katholische Pfarrgemeinde Weimar gemeinsam. Die ehemalige Arrestzelle Schneiders wurde mit Rosen geschmückt. An diesem Ort unvorstellbarer Grausamkeit, an dem sich Menschen als Herrenmenschen aufgeführt und andere gequält hätten, seien trotz aller Unterdrückung Worte der Ermutigung gesprochen und weitergegeben worden, erklärte die Evangelische Kirchengemeinde.
Auch in Schneiders Heimat im Hunsrück wurde am Samstag an den „Prediger von Buchenwald“ erinnert. An dem Gedenkgottesdienst auf dem Friedhof in Dickenschied nahmen zahlreiche Gäste teil, darunter Schneiders Sohn Karl-Adolf Schneider und Vertreter der Kirche und der Paul-Schneider-Gesellschaft.
„Paul Schneider sah sich in Nachfolge Christi als Bruder unter Brüdern“
„Paul Schneider sah sich in der Nachfolge Christi als Bruder unter Brüdern. Gradlinig, konsequent und beharrlich“, sagte der Hottenbacher Pfarrer und Historiker Erik Zimmermann. Schneider sei dabei Teil einer großen Zahl von evangelischen und katholischen Glaubenszeugen gewesen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ihr Leben gelassen hätten. Auf dem Friedhof der Hunsrückgemeinde liegt Paul Schneider zusammen mit seiner Frau Margarete begraben.
Der in einem rheinischen Pfarrhaus aufgewachsene Paul Schneider hatte schon früh Widerstand gegen den NS-Staat geleistet. Er war seit 1934 Pfarrer der zum rheinischen Kirchenkreis Simmern gehörenden evangelischen Kirchengemeinden Dickenschied und Womrath. Im November 1937 wurde er in das KZ Buchenwald deportiert. Bei einem Appell verweigerte er den Hitlergruß. Daraufhin wurde er gefoltert und in Einzelhaft genommen. Trotz schwerer Misshandlungen verkündete er bis zu seiner Ermordung weiter das Evangelium.