Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner spricht sich angesichts der Pläne für die Kathedrale gegen Eintrittsgelder für Kirchen aus. Kirchen sollten keine kommerziellen Räume sein, sagte Schock-Werner in einem am Montag im Deutschlandfunk gesendeten Interview. Der Kölner Dom sei ein „missionarisches Angebot“. Es sei ein Unterschied, ob man zum Beispiel das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald besuche oder eine Kirche betrete.
Sie sehe ein, dass das Domkapitel mehr Geld für den Unterhalt des Doms brauche. Doch die Pläne, ab der zweiten Jahreshälfte ein Eintrittsgeld zu erheben, finde sie „nicht glücklich“. Schock-Werner war von 1999 bis 2012 Dombaumeisterin in Köln. Seit 2024 steht sie als Präsidentin an der Spitze des Zentral-Dombau-Vereins, der über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Patenschaften und Vermächtnisse zur Instandhaltung des Gotteshauses beiträgt.
Betrag steht noch nicht fest
Das Domkapitel hat angekündigt, dass touristische Besucherinnen und Besucher der Kirche ab Juli eine Abgabe zahlen sollen. Der genaue Betrag steht noch nicht fest. Schock-Werner sagte, sie fände es „ganz schwierig“, wenn künftig nur noch Wohlhabende den Dom besuchen könnten, „wenn das deutlich über 10 Euro ist“.
Mit dem Eintrittgeld soll die Finanzlage der Kathedrale nach mehreren Jahren mit Defiziten dauerhaft stabilisiert werden. Rund sechs Millionen Menschen besuchen derzeit pro Jahr den Dom. Der Eintritt für Menschen, die Gottesdienste besuchen, eine Kerze anzünden oder zum Beten kommen wollen, soll weiterhin kostenlos und in bestimmten Bereichen möglich sein.
Bisher ist der Zutritt in den Kölner Dom grundsätzlich kostenfrei. Nur für die Domschatzkammer und den Turmaufstieg wird Eintritt verlangt. Der Kölner Dom gehört seit 1996 zum Weltkulturerbe der Unesco. Er ist der größte gotische Kirchenbau Deutschlands.