Bei der Aktion „einfach heiraten“ der evangelischen Kirche haben sich an rund 300 Orten in ganz Deutschland Paare segnen oder kirchlich trauen lassen. An rund 70 weiteren Feierorten wird die unbürokratische Segnung oder Trauung, die auch spontan möglich ist, an einigen weiteren Terminen angeboten. Wegen der Rekordhitze um 40 Grad wurden Feierorte unter freiem Himmel teilweise in Kirchen verlegt, weil es dort kühler ist.
Bei der Aktion, die 2023 Premiere hatte, können sich Paare nicht nur in festlich geschmückten Kirchen und deren Außenflächen unter den Segen Gottes stellen, sondern auch an vielen außergewöhnlichen Orten. In NRW war dies etwa auf der Bootsterrasse der „Neuen Insel“ an der Ruhr in Essen, im mittelalterlichen Schloss Burg an der Wupper in Solingen, auf einer Rheinfähre bei Köln oder in einem Theater in Hagen möglich. In Bonn wurden Paare eingeladen, sich am Abend in der Kultkneipe „Die Wache“ direkt neben dem Tresen das Ja-Wort zu geben.
Kalte Kirchen, Pools und Getränke
Einige besonders originelle Locations wie ein Wagen der historischen Straßenbahn „Blauer Enzian“ in Krefeld fielen jedoch der Hitze zum Opfer, die Veranstalter mussten in Kirchen ausweichen. Unter den derzeitigen Wetterbedingungen habe die Gesundheit aller Beteiligten Vorrang, hieß es. Die allermeisten Segnungen fanden ohnehin in und um Kirchengebäude statt, in denen es meistens kühl ist.
In Parks, Gärten, Klosteranlagen und Schlössern wurden schattige Plätze ausgewählt. Wo nötig, werde für Beschattungen gesorgt, sagte ein Sprecher des Kirchenkreises Bonn dem Evangelischen Pressedienst (epd). In Dortmund standen nach Angaben eines westfälischen Kirchensprechers Crush-Eis, Wassereis und gekühlte Getränke zur Abkühlung bereit, in Bad Driburg gab es Pools für die Füße und in Siegen wurden kühle Getränke und leichtes Fingerfood bereitgehalten.
Alle Verliebten sind willkommen
Willkommen sind bei „einfach heiraten“ alle Verliebten, die sich einen besonderen Segen wünschen - unabhängig von Alter, Herkunft oder sexueller Orientierung. Wenn sie eine kirchliche Trauung wünschen, muss einer der Partner evangelisch sein und das Paar muss bereits standesamtlich geheiratet haben. Für eine Segnung gibt es keine Voraussetzungen. An jedem Feierort gab es einen besonderen Rahmen mit festlicher Atmosphäre, Musik und Dekoration. In Aachen wollte am Nachmittag der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, Paare segnen.
Veranstalter von „einfach heiraten“ sind die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und zwölf Landeskirchen, darunter erstmals die rheinische und die westfälische Kirche. In der Evangelischen Kirche von Westfalen gab es einem Sprecher zufolge 29 Projektteams für insgesamt 33 Feierorte, auch in der rheinischen Kirche beteiligten sich mehrere Dutzend Gemeinden und Kirchenkreise an der Aktion.
Kirche im Event-Modus
Bei „einfach heiraten“ sei Kirche im Event-Modus, „um Segen erfahrbar zu machen“, sagte der Theologe und Pädagoge Carsten Haeske dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack sprach von einem Strukturwandel von Religion. Neue kirchliche Angebote wie Spontantrauungen oder Tauffeste unter freiem Himmel würden nachgefragt, sagte er dem epd. „Spontane Entscheidungen passen in unsere Zeit.“