Die Freie Wohlfahrtspflege NRW fordert eine „substanzielle Bildungs- und Qualifizierungsoffensive“. Um die wachsende Zahl junger Menschen ohne Schulabschluss und den Fachkräftemangel in der Wirtschaft effektiv zu bekämpfen, seien verschiedene Maßnahmen nötig, heißt es in dem veröffentlichten „NRW-Report Arbeitsmarktpolitik“ der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Fehlende Schul- und Berufsausbildungsabschlüsse zögen „immense volkswirtschaftliche, gesellschaftliche und individuelle Folgekosten nach sich“.
Wichtig seien unter anderem eine möglichst früh ansetzende Sprachförderung und die Nutzung des Ganztagsanspruchs an Grundschulen. Zudem dringt die Arbeitsgemeinschaft darauf, „Kernkompetenzen“ zur Sicherstellung von Mindeststandards in den Schulen in den Fokus zu stellen und die berufliche Orientierung und Berufspraxis zu stärken.
Laut dem Report gelingt die Vermittlung von Basiskompetenzen in den Schulen mittlerweile deutlich schlechter als noch vor einigen Jahren. So schneide NRW in den Studien zum IQB-Bildungstrend im bundesweiten Vergleich schwach ab. Die Zahl der Schulabgänger ohne ersten Schulabschluss sei gestiegen: Im Abschlussjahr 2025 beendeten knapp 14.400 Jugendliche oder fast acht Prozent aller Abgänger die Schulzeit ohne Schulabschluss. Das seien 3.300 junge Menschen oder fast ein Drittel (30,1 Prozent) mehr als noch 2015.
Duales Ausbildungssystem steht unter Druck
Auch das für den Berufseinstieg sowie die Fachkräftesicherung wichtige duale Ausbildungssystem stehe in NRW unter Druck, hieß es. Die Marktverhältnisse seien „zwar nicht exakt bestimmbar“. Die verfügbaren Daten legten aber nahe, dass ein nennenswerter Teil an ausbildungsinteressierten Jugendlichen - fast 40 Prozent - keinen Zugang zum dualen Ausbildungssystem finde.
Zudem habe die Ausbildungsstabilität merklich abgenommen, hieß es. So sei 2024 fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis vorzeitig beendet worden. Zudem prägten Unterbrechungs- und Orientierungsphasen die Ausbildung- und Bildungsverläufe vieler junger Menschen. Je nach Indikator und Datenbasis seien bis zu 15 Prozent mindestens vorübergehend davon bedroht oder betroffen, keine Ausbildung zu haben und kein Geld zu verdienen.
Immer mehr junge Menschen in NRW haben keine Ausbildung
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lag laut Report nach vorläufigen Ergebnissen im Jahr 2025 bei etwa 99.200. Gegenüber 2015 habe sich die Zahl um 14,4 Prozent oder 16.700 Personen reduziert. Auch die „verfestigte Ausbildungslosigkeit“ unter jungen Menschen habe zugenommen. Im Jahr 2023 verfügten in NRW 21 Prozent aller 20- bis 34-Jährigen nicht über eine abgeschlossene oder anerkannte Berufsausbildung. Im Bundesländervergleich sei dies der vierthöchste Wert.
Mit der Vorlage der Untersuchung reaktiviert die Freie Wohlfahrtspflege NRW nach vier Jahren Pause ihren früheren „Arbeitslosenreport“ unter einem neuen Titel. Als neuer Partner liefert das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik in Köln den wissenschaftlichen Teil des Berichts. Geplant ist, in jedem Kalenderjahr zwei Reporte zu veröffentlichen.