Der Verkehrsverbund VRR (Rhein-Ruhr) beobachtet eine steigende Zahl von Vorfällen gegenüber Beschäftigten bei den Verkehrsunternehmen. Dies sei ein strukturelles Problem, das sich auch gesamtgesellschaftlich beobachten lasse, erläuterte ein VRR-Sprecher in Gelsenkirchen dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage. Deutlich erkennbar sei die Zunahme von Respektlosigkeit gegenüber Mitarbeitenden in den Zügen. Ein Bahnmitarbeiter starb, nachdem er während einer Zugfahrt in Rheinland-Pfalz angegriffen worden war.
Der VRR verweist für die Lage im NRW-Schienenregionalverkehr auf den jährlichen Sicherheitsbericht, der von den Verkehrsverbünden und dem Verkehrsministerium in Düsseldorf erstellt wird. 2024 wurden demnach insgesamt 42.986 Vorfälle von Verschmutzung bis Körperverletzung in Zügen und Bahnhöfen registriert. Das seien rund 11,6 Prozent mehr als 2023, hieß es. Auch durch verbesserte digitale Erfassungs- und Meldungswege würden vor allem seit 2024 mehr Vorfälle in die Datenbank importiert.
Anstieg bei Bedrohungen, Beleidigungen und Körperverletzungen
Die Sicherheitsdatenbank Sidaba NRW verzeichnete zuletzt in allen Unterbereichen der erfassten Straftaten ein Plus. 2024 wurden demnach beispielsweise 1.473 Vorfälle als Bedrohung registriert (2023: 1.147). Die 6.678 registrierten Beleidigungen (2023: 6.155) richteten sich überwiegend gegen Kontroll- oder Sicherheitspersonal. Zudem wurden 905 Körperverletzungen registriert (2023: 823) und 124 Sexualdelikte (2023: 88). Auch die Bundespolizei berichtet von steigenden Zahlen bei Beleidigungen und Gewaltdelikten.
Das Unternehmen National Express dokumentierte 2024 für seinen Bereich „72 Vorfälle unterschiedlichen Ausmaßes mit zum Teil nicht unerheblichen Verletzungen“, einschließlich Prellungen und Nasenbrüchen. Viele Übergriffe seien mit Anspucken der Mitarbeitenden, Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen einhergegangen. Andere am Bericht beteiligte Unternehmen verzeichneten bei Übergriffen auf Personal auch rückläufige Tendenzen. So meldete etwa die Eurobahn einen Rückgang der Vorfälle gegen Mitarbeitende von 4.600 auf 3.360.