Mehr Präsenzarbeit, weniger Zufriedenheit: Wer vom gewohnten Homeoffice vom Arbeitgeber ins Büro zurückbeordert wird, ist einer Studie zufolge im Schnitt weniger zufrieden und fühlt sich stärker belastet. Nach einer am Montag in Düsseldorf vorgelegten Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erhielt ein Drittel (34 Prozent) der Erwerbstätigen in Deutschland, die auch im Homeoffice arbeiten, in den vergangenen Jahren von ihren Arbeitgebern eine „Return-to-Office“-Aufforderung (RTO-Aufforderung). Die Akzeptanz dafür ist besonders bei Menschen gering, die für Kinderbetreuung zuständig sind.
Arbeitgeber begründen nur die Hälfte der Rückruf-Initiativen
Lediglich rund die Hälfte der befragten Erwerbstätigen mit einer RTO-Initiative im Betrieb erhielt nach eigenen Angaben von Vorgesetzten oder dem Arbeitgeber eine offizielle Begründung dafür. Knapp 62 Prozent der Befragten vermuten laut Studie, dass es bei der Einschränkung des Homeoffice vor allem um stärkere Kontrolle und mangelndes Vertrauen seitens des Arbeitgebers geht.
Auf einer Skala von 0 („ganz und gar nicht zufrieden“) bis 10 („voll und ganz zufrieden“) bewerteten die Beschäftigten die Rückholung ins Büro mit durchschnittlich gut 4 Punkten, wie die Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ergab. Wurde ein Grund genannt, war die Zufriedenheit größer. Menschen mit Leitungsfunktion sehen die Maßnahmen mit 4,9 Punkten insgesamt positiver als Beschäftigte ohne Leitungsfunktion (3,9 Punkte). Bei Vätern lag die Zufriedenheit mit der Arbeitgeber-Initiative bei 4,8 Punkten, bei Müttern nur bei 3,6 Punkten.
Höhere Belastung bei Einschränkung des Homeoffice
Befragte in Betrieben mit Rückkehraufforderung berichteten von einer um zehn Prozentpunkte höheren Belastung als Beschäftigte in Betrieben ohne Einschränkung von Homeoffice, wie die WSI-Expertinnen Yvonne Lott und Eileen Peters weiter erläuterten. Für Führungskräfte habe sich hingegen kein bedeutsamer Unterschied im Belastungserleben ergeben.