Soziologin aus Venezuela: Menschen wollen ihr Land selbst entwickeln
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Venezolanerin
Bielefeld (epd).

Nach Einschätzung der venezolanischen Soziologin Maria Gabriela Trompetero freut sich die große Mehrheit der Menschen in ihrem Land über die Festnahme des bisherigen Machthabers Nicolas Maduro. „Er ist ein Diktator, sein Regime hat die Menschenrechte verletzt“, sagte die Wissenschaftlerin an der Universität Bielefeld dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die „gewaltsame und gefährliche Aktion“ der USA zur Ergreifung Maduros lehne sie jedoch ab, stellte Trompetero klar. Es stelle sich aber die Frage, was bleibt, wenn ein Regime über Jahre hinweg alle friedlichen und demokratischen Auswege systematisch zerstöre. Aktuell sei die Diktatur der sogenannten Chavisten, benannt nach dem ehemaligen Präsidenten Hugo Chávez, immer noch da, daher hätten die Menschen in Venezuela noch Angst, betonte die aus Caracas stammende Wissenschaftlerin. Sie gingen derzeit nicht auf die Straße, um zu demonstrieren oder zu feiern, sondern versuchten, nach Ende der Weihnachtspause „wieder normal zu leben und zu arbeiten“.

Agieren der Unterstützer Maduros offen

Zwar gebe es, wie sie höre, derzeit nicht viel militärische Präsenz auf den Straßen, doch wisse man nicht, wie die radikalen Kräfte des Regimes künftig agieren werden, berichtete die Soziologin. Den Anteil der Unterstützer Maduros in der Bevölkerung schätzt sie auf „vielleicht 20 Prozent“, viele davon hätten jedoch Waffen. Es gebe etliche paramilitärische oder mafiöse Gruppen.

Im Blick auf die Rolle der USA erklärte Trompetero, die Venezolaner wollten „nicht von externen Mächten bevormundet werden“. Sie wollten vielmehr das Land selbst entwickeln und einen demokratischen Übergang gestalten. Die Forscherin äußerte die Hoffnung, dass die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodriguez in diesem Sinne mit den USA kooperiere.

Freilassung der politischen Gefangenen

Zum Übergang gehöre auch die Freilassung der über 1.000 politischen Gefangenen und die Rückkehr des „rechtmäßigen Präsidenten“ Edmundo González aus dem Exil, verlangte Trompetero. Ihm sei der Wahlsieg 2024 von Maduro „gestohlen“ worden. González solle zum Präsidenten ernannt werden, „ohne jetzt Wahlen durchführen zu müssen“. Auch die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Oppositionsführerin Maria Corina Machado werde „eine wichtige Rolle“ spielen - dank ihr hätten viele Venezolaner „die Angst vor dem Regime verloren“.

Die Militäraktion der USA zur Festnahme Maduros am vergangenen Wochenende sehe sie im Blick auf das Völkerrecht kritisch, sagte Trompetero, ein solches Vorgehen sei eine „große Gefahr“ für die internationale Ordnung. Man müsse aber in der Debatte berücksichtigen, dass die Opposition in Venezuela zuvor alles versucht habe, um einen friedlichen Machtwechsel herbeizuführen, die Regierung aber alle Kompromisse „gebrochen“ habe. Es bleibe die Frage, ob Diktaturen machen könnten, was sie wollen.

Von Thomas Krüger (epd)