Der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ macht auf neue Formen der Ausbeutung in der Fleischindustrie, Fastfood-Ketten und andere Branchen aufmerksam. Rumänen und Bulgaren würden aktuell durch Menschen aus Vietnam und Indien ersetzt, erklärte der Vorsitzende des Vereins, der katholische Sozialpfarrer Peter Kossen, am Montag in Lengerich. Zum 7. Oktober, dem internationalen Tag der menschenwürdigen Arbeit, erläuterte der Pfarrer des Bistums Münster: „Mit dem verstärkten Einsatz von Vietnamesen oder auch Indern umgeht die Fleischindustrie die Bestimmung des Arbeitsschutzkontrollgesetzes, dass nämlich in Schlachtung und Zerlegung die Arbeiter in die Stammbelegschaft aufzunehmen sind.“ Menschen aus Drittstaaten verfügten nur über befristete Arbeitsvisa und könnten daher schnell entlassen werden.
Kossen berichtet von Betroffenen aus Asien, die an dubiose Vermittlungsagenturen bis zu 15.000 Euro gezahlt hätten, von der hiesigen Fleischindustrie aber bereits nach wenigen Wochen wieder „rausgetreten“ worden seien. Diese Menschen seien dann hoch verschuldet und könnten weder in Deutschland bleiben noch in ihre Heimat zurückkehren. Ähnliches geschehe auch in anderen Branchen wie der Logistik, Gebäudereinigung und im Bausektor. Weltweit würden Arbeitskräfte gesucht, angemietet, verschlissen und dann entlassen, kritisierte Kossen. Zu beobachten sei auch die Anwerbung von Mitarbeitern als Auszubildende im Fastfood-Sektor. Betroffene erhielten jedoch keine echte Qualifikation und würden nach Ende der „Ausbildung“ rausgeschmissen.
„Moderne Sklaverei unter dem Radar der Rechtsstaatlichkeit“
„Das ist moderne Sklaverei, sie geschieht unterhalb des Radars der Rechtsstaatlichkeit“, kritisierte Kossen. Der Verein Aktion Würde und Gerechtigkeit fordere den Gesetzgeber auf, den Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung konsequenter zu verfolgen. Ständige Kontrollen der Fleischindustrie und ähnlich agierender Branchen seien erforderlich. Die für Deutschland wichtige Zuwanderung von Arbeitskräften dürfe nicht in der Sackgasse prekärer Arbeits- und Lebensbedingungen enden.