Meistgeerntetes Baumobst: Deutschland feiert den Apfel
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Apfelkorb
Jork, Lemgo (epd).

Oft regional erzeugt, vielfältig und gesund: Mit dem „Tag des Apfels“ will die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse am Sonntag (11. Januar) deutschlandweit auf die beliebte Obstsorte aufmerksam machen. Neben dem Alten Land bei Hamburg liegt die bundesweit bedeutendste Anbauregion in Baden-Württemberg am Bodensee. Allerhand Wissenswertes über ein Obst der Superlative, über die inneren Werte alter Sorten und neuer Züchtungen. Der BUND in Lemgo bei Detmold hat zudem Empfehlungen für Allergiker parat.

Stimmt es, dass Äpfel besonders gesund sind?

„Äpfel können mit ihren Inhaltsstoffen punkten“, verdeutlicht Kristine Anschütz vom Obstbauzentrum Jork mitten im Alten Land. „Sie enthalten mehr als 30 Mineralstoffe und einen großen Vitamin-Cocktail, der für den Stoffwechsel von zentraler Bedeutung ist.“ Der Pomologe Eckart Brandt nennt sie schlicht „Medizin vom Baum“. Die Gesundheitsexpertin und Autorin Antje Maly-Samiralow spricht von heimischem „Superfood“ und einem idealen Pausensnack. „So ein Äpfelchen passt noch in die kleinste Tasche“, schreibt sie in ihrem Buch „Die Apfel-Apotheke“.

Und wogegen hilft der Apfel?

Der hohe Pektin-Gehalt normalisiert die Verdauung, sagt der niedersächsische Apfelbauer und Pomologe Eckart Brandt aus Großenwörden am Rand des Alten Landes bei Hamburg. Er rät: „Bei akutem Durchfall täglich einen bis zwei Äpfel reiben und verzehren.“ Der Ballaststoff habe außerdem ein hohes Sättigungspotenzial. „Daher ist der Apfel ein Schlankmacher.“ Gerbstoffe wirkten entzündungshemmend im Darm, überdies stärkten Inhaltsstoffe das Herz und das Immunsystem, unterstützten bei Eisenmangel und senkten hohe Blutfettwerte. Dazu enthielten Äpfel jede Menge sekundäre Pflanzenstoffe, die der Gesundheit ebenfalls zuträglich seien. „Sie sitzen vor allem unter der Schale, die deshalb unbedingt mitgegessen werden sollte.“

Gibt es Unterschiede zwischen alten und neuen Sorten?

Eckhart Brandt rät zum Verzehr alter Sorten. Sie seien abwechslungsreicher, enthielten mehr Vitamine und mehr sekundäre Pflanzenstoffe. Allerdings seien sie nicht überall erhältlich. „Am ehesten noch auf Wochenmärkten, in traditionellen Bioläden und in Hofläden.“ Zu den alten Sorten, die vielerorts in Deutschland zu bekommen sind, zählen Brandt zufolge der Boskoop, die Goldparmäne und der Prinz Albrecht von Preußen.

Man müsse auf konventionell oder biologisch angebaute Äpfel aber nicht verzichten, schreibt Antje Maly-Samiralow. „Denn Äpfel sind per se gesund und nahrhaft. Das gilt selbstverständlich auch für Supermarkt-Äpfel.“ Ohnehin könne der Markt gar nicht komplett mit alten Züchtungen versorgt werden, dafür gebe es schlicht und ergreifend nicht genügend Streuobstwiesen und Obstgärten mit diesen Sorten. „Kurzum: Jeder Apfel ist besser als kein Apfel.“ Die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen spricht von einer großen Auswahl. „Sorten wie Elstar, Gala, Braeburn, Fräulein oder Kanzi stehen beispielhaft für diese Vielfalt.“

Was wird denn hauptsächlich angebaut?

„Die Hauptsorte im Alten Land ist der Elstar, gefolgt von Jonagold und dem Wellant“, weiß Claus Schliecker, selbst Obstbauer und Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen. Ähnlich sieht es auch am Bodensee aus.

Müssen Allergiker auf Äpfel verzichten?

Für Allergiker kann der Verzehr von Äpfeln unter anderem durch Juckreiz, Anschwellen der Schleimhäute, Brennen und Niesen zur Qual werden. Alte Apfelsorten werden aber oft problemlos vertragen, heißt es auf der Internetseite des Bundes für Umwelt- und Naturschutz im lippischen Lemgo, der unter www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html diverse Informationen zum Thema zusammengestellt hat. Dort kann auch eine Lieferantenliste angefordert werden mit bundesweiten Anbietern alter Apfelsorten (kontakt@bund-lemgo.de). Im konventionellen Obstanbau gibt es Sorten wie Santana, Wellant und laut Schliecker die Neuzüchtung Pompur, die gut vertragen werden.

Was lässt sich mit Äpfeln alles machen?

Suppen, Vorspeisen, Salate, Desserts, natürlich Kuchen, aber auch Saucen und Konfitüren: Äpfel sind in der Küche vielfältig verwendbar, als Zutat und als Hauptgericht. Dazu gibt es massenhaft Rezepte in Büchern und im Netz.

Wie viele Äpfel werden in Deutschland überhaupt gegessen?

Jeder Haushalt konsumierte im vergangenen Jahr dem Erzeugerverband zufolge durchschnittlich etwa 122 Äpfel - also rund 60 Stück pro Person. Äpfel wurden den Statistikern zufolge 2025 bundesweit auf einer Fläche von 32.700 Hektar erzeugt. Sie sind damit das mit Abstand am meisten geerntete Baumobst in Deutschland. „Ein Symbol für bewusste, alltagstaugliche Ernährung“, meinen die Produzenten. Das wird am Sonntag in Dresden mit einer Drohnenshow gefeiert. Die Fluggeräte sollen ab 18 Uhr in einer zentralen Aktion zum „Tag des Apfels“ direkt gegenüber der Altstadt und der Frauenkirche Apfel-Silhouetten, Botschaften und 3D-Motive in den Abendhimmel zeichnen.

Von Dieter Sell (epd)