Die bundesweit erste Islamisch-Theologische Fakultät soll im Herbst in Münster ihre Tore für Studierende öffnen. Das sei auch europaweit die erste, an eine Hochschule angebundene Fakultät für islamische Theologie, sagte Universitätsdirektor Johannes Wessels in Münster. Gründungsdekan ist Mouhanad Khorchide, der bereits Direktor des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) an der Universität ist.
„Das ist ein Meilenstein für die islamische Theologie und zugleich ein wichtiges Signal, das weit über Münster hinaus Beachtung findet“, betonte Wessels. Der Beschluss dazu werde im Juli gefasst, die offizielle Gründung ist im Oktober. An der Islamisch-Theologischen Fakultät sollen acht Professorinnen und Professoren islamische Theologie und Religionspädagogik lehren. Die Fakultät geht aus dem ZIT hervor. Derzeit seien 450 Studierende eingeschrieben, die Lehramtsstudiengänge sowie Bachelor- und Masterprogramme belegen.
Die Fakultät dürfe ihr Forschungsprofil und das Lehrangebot weiterentwickeln, Prüfungsordnungen formulieren sowie Promotions- und Habilitationsverfahren verantworten, hieß es. Standort soll der „Campus der Theologien und Religionswissenschaften“ der Universität sein, der in den kommenden Monaten eröffnet werde. Dort werden auch die evangelische und katholische Theologie angesiedelt.
Khorchide: „Leuchtturm für einen weltoffenen Islam“
„Wir bilden Multiplikatoren aus, die einen aufgeklärten Islam vertreten und diesen auch in die sozialen Medien tragen sollen“, sagte Khorchide. Damit wolle man ein Gegengewicht zu fundamentalistisch-konservativen Internet-Predigern schaffen. Die Fakultät sei eine Chance, auf akademischer Ebene einen weltoffenen Islam zu etablieren. Sie solle ein „Leuchtturm für einen aufgeklärten, weltoffenen Islam“ sein. Dieser Schritt sei „für viele Muslime in Deutschland ein eindrucksvolles Signal der Anerkennung“.
In den Leitlinien verpflichtet sich die Fakultät unter anderem zur Vereinbarkeit von Glauben und Demokratie, zu einem wissenschaftlichen, zeitgemäßen Zugang zum Koran und einem interreligiösen Dialog. Außerdem wird sich gegen Extremismus, Antisemitismus und Islamismus abgegrenzt. „Wir setzen uns gegen jede Form religiös begründeter Gewalt und Ideologisierung ein“, heißt es in den Leitlinien.
An dem jahrelangen Prozess seien neben dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft der Senat der Universität Münster, der Hochschulrat sowie der „Konfessionelle Beirat für islamische Theologie“ an der Universität Münster beteiligt gewesen. In dem Beirat sind der Zentralrat der Muslime, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) und der Islamrat für die Bundesrepublik vertreten.
Kaddor: „Historischer Schritt“
Die religionspolitische Sprecherin der Grünen, Lamya Kaddor, bezeichnete die Gründung als einen „historischen Schritt“. Erstmals erhalte die islamische Theologie damit eine institutionelle Verankerung, wie sie für christliche Theologien schon lange selbstverständlich sei, erklärte sie in Berlin. Die Entscheidung zeige auch, dass muslimisches Leben zu Deutschland gehöre und auch die institutionellen Strukturen bekomme, die es dafür brauche.