Hunderte erinnern am 20. Jahrestag an Dortmunder NSU-Opfer Kubasik
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Der evangelische Pfarrer Friedrich Stiller mit einem Foto des Dortmunder NSU-Opfers Mehmet Kubasik am Mahnmahl für die Opfer der NSU-Morde (Archivfoto)
Dortmund (epd).

Mit einem stillen Gedenken und einer Kundgebung haben am Samstag in Dortmund knapp 500 Menschen an die Ermordung von Mehmet Kubasik vor 20 Jahren erinnert. Der aus der Türkei stammende Einzelhändler war am 4. April 2006 vom rechtsextremen Terrornetzwerk „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) in seinem Kiosk erschossen worden. Die Neonazis hätten Kubasik, der sich mit seiner Frau und seiner Familie ein neues Leben aufgebaut und Dortmund zu seiner Heimat gemacht habe, kaltblütig und aus Hass ermordet, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) in einer Ansprache.

Die Familie Kubasiks habe unfassbares Leid, aber auch Verdächtigungen und Diffamierungen ertragen müssen, erklärte Wüst. Der Staat habe aus Opfern zeitweise Verdächtige gemacht. „Dafür bitte ich Familie Kubasik im Namen des Landes Nordrhein-Westfalen um Entschuldigung“, sagte der Ministerpräsident. „Mehmet Kubasik war einer von uns.“ Die Erinnerung an ihn mahne alle zu entschlossenem Handeln: „Hass und Hetze haben in unserem Land keinen Platz.“

Fehler bei den Ermittlungen aufarbeiten

Der Demonstrationszug mit rund 450 Teilnehmenden führte von Kubasiks Kiosk zum Mahnmal für die NSU-Opfer am Dortmunder Hauptbahnhof. Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) sagte bei der anschließenden Kundgebung, Rassismus dürfe niemals stärker als der Rechtsstaat sein. Bei den Ermittlungen zum Fall Kubasik habe es eine systematische und strukturelle Vorverurteilung gegeben. Nun gelte es, die Fehler zu erkennen, aufzuarbeiten und die Konsequenzen daraus zu ziehen. Erst das schaffe wieder Vertrauen. „Heute geht es auch um das Versprechen an die Familie Kubasik, dass wir Aufklärung wollen und dass so etwas nicht mehr passieren darf“, betonte Kalouti.

Vor der Kundgebung kamen etwa 50 Menschen zu einem stillen Gedenken zusammen. Neben Familienangehörigen und Freunden des Ermordeten nahmen auch Oberbürgermeister Kalouti und der türkische Generalkonsul Taylan Özgür Aydin teil und legten Blumen am Gedenkstein für den Ermordeten ab.

Fast alle NSU-Opfer waren Migranten

Auch Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund erinnerte an das Verbrechen von 2006 und alle Opfer rassistisch motivierter und rechter Gewalt. „Unser Gedenken ist nicht nur ein Akt der Erinnerung, sondern ein klares Bekenntnis zu einer offenen, solidarischen und vielfältigen Stadtgemeinschaft - und gegen rechtsextremen Terror, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit“, erklärte Vereinspräsident Hans-Joachim Watzke.

Die NSU-Mordserie begann am 9. September 2000. Bis 2007 wurden zehn Menschen von der Terrorgruppe getötet, neun von ihnen hatten eine Migrationsgeschichte. Kubasik war das achte Todesopfer, er wurde in seinem Kiosk erschossen aufgefunden. Fälschlicherweise wurde er anfangs von Ermittlern krimineller Machenschaften verdächtigt, auch die Witwe und Tochter waren jahrelang falschen Verdächtigungen ausgesetzt. Erst mit der Enttarnung der NSU-Mitglieder wurde in Richtung rechtsextremer Täter ermittelt.

Von Ingo Lehnick und Nadia Gering (epd)