Ausbildungsmarkt in NRW bleibt unter Druck
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Agentur für Arbeit
Düsseldorf (epd).

Der Ausbildungsmarkt in NRW bleibt unter Druck. Trotz sinkender Zahlen bei den Schulabgängerinnen und Schulabgängern meldeten sich im März 80.841 junge Menschen bei den Arbeitsagenturen für eine duale Berufsausbildung - das entsprach einem Plus von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie die NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Düsseldorf mitteilte.

Zugleich wurden bei den Arbeitsagenturen in NRW bis Ende März Schätzungen zufolge rund 79.300 Ausbildungsstellen gemeldet. Das entspräche im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von 7,6 Prozent. Etwa 51.100 betriebliche Ausbildungsstellen waren bei den Agenturen für Arbeit im März noch unbesetzt. Dem standen 59.071 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hatten. Von diesen hatten 9.492 eine Alternative, falls es mit dem Start in die Berufsausbildung nicht klappen sollte.

Ausbildungsmarkt leidet unter wirtschaftlicher und politischer Weltlage

Der allgemeine Negativtrend am Ausbildungsmarkt hält damit an. Die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Ausbildungsstellen sei seit der Corona-Pandemie im vierten Jahr in Folge rückläufig. „Damit ist die Halbjahresbilanz am Ausbildungsmarkt weiterhin deutlich von der ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Weltlage geprägt“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der NRW-Regionaldirektion, Roland Schüßler.

Bei vielen Arbeitgebern führe „der Blick in Zeitungen und Auftragsbücher dazu, dass sie die Entscheidung zur Ausbildung von Fachkräften erst einmal aufschieben“. Das sei nachvollziehbar, berge aber das Risiko, dass zu wenig ausgebildet wird. „Jeder Ausbildungsvertrag, der in diesem Jahr nicht abgeschlossen wird, bedeutet in drei bis vier Jahren, wenn die demografische Wende ihren ersten Höhepunkt erleben wird, eine Nachwuchsfachkraft weniger“, mahnte Schüßler.

Zugleich begrüßte Schüßler das wachsende Interesse junger Menschen an der dualen Berufsausbildung. „Obwohl die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger in NRW rückläufig ist und obwohl in diesem Sommer zusätzlich fast ein kompletter gymnasialer Abiturjahrgang ausfällt, steigt im dritten Jahr in Folge die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber am Ausbildungsmarkt.“

Regionaldirektion wirbt für Einstiegsqualifikation als Brücke zur Ausbildung

Angesichts der schwierigen Lage sieht Schüßler die Einstiegsqualifikation, ein sozialversicherungspflichtiges Langzeitpraktikum, als geeignete Brücke in die Ausbildung. Arbeitgeber lernten durch die Einstiegsqualifizierung potenzielle Auszubildende kennen. „Die Agenturen für Arbeit und Jobcenter fördern sie durch einen Zuschuss zur Praktikumsvergütung und eine Pauschale für die Beiträge zur Sozialversicherung.“ Das Praktikum dauert maximal ein Jahr und kann auf eine anschließende Ausbildung angerechnet werden.

Von Michael Bosse