Der Dortmunder Techniksoziologe Mirco Spiegel rät dazu, sich mit dem digitalen Nachleben von Verstorbenen zu beschäftigen. „Alle digitalen Spuren, die wir hinterlassen und alle Profile auf Plattformen sind Spuren, die unseren Tod überdauern“, sagte er am Freitag in einem Seminar mit dem Titel „KI in der pastoralen Arbeit“ der Evangelischen Akademie Bad Boll in Baden-Württemberg. Hier stelle sich die Frage, was mit diesen Daten nach dem Tod geschehe. Wichtig sei, sich Gedanken zu machen, was mit dem eigenen digitalen Erbe geschehen soll.
Auch der Trend zum digitalen Weiterleben sorge für Diskussionen, sagte der Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund. Beispielsweise könne man Chatbots als „Deathbots“ trainieren, damit sich Hinterbliebene mit Toten unterhalten können. Dies schaffe neue Möglichkeiten im Umgang mit Verlust und Trauer. Aber es stelle sich die Frage, ob Hinterbliebene nicht einen Abschluss brauchen und ob es für Verstorbene auch das Recht gibt, irgendwann als virtuelle Person zu „sterben“.
Finger weg von Seelsorge durch Chatbots
Oberkirchenrat Max Niessner, Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der Stabsstelle Digitalisierung, Theologie und Ethik im digitalen Wandel, warnt davor, dass Chatbots eigenständig Seelsorge anbieten. „Wenn ein Chatbot autark Seelsorge machen soll, dann bitte Finger weg“, sagte er. Ob Beerdigung, Seelsorge, Taufe oder Gottesdienst: Das Kerngeschäft der Kirche sei geprägt von Mensch-zu Mensch-Begegnungen.
„Da geht es um Authentizität, um eigene Betroffenheit, da sehe ich keine KI“, betonte Niessner. Besser sei aus seiner Sicht, dass Pfarrpersonen Künstliche Intelligenz zur Unterstützung bei Verwaltungsaufgaben verwenden und die dadurch eingesparte Zeit für die Begegnung mit Menschen und eben auch für Seelsorge nutzen.