Erneut mehr antisemitische Vorfälle in NRW
s:94:"Immer mehr Juden scheuen offenbar davor zurück, außerhalb der Synagoge eine Kippa zu tragen.";
Immer mehr Juden scheuen offenbar davor zurück, außerhalb der Synagoge eine Kippa zu tragen.
Düsseldorf (epd).

Der Antisemitismus in Nordrhein-Westfalen nimmt weiter zu. Insgesamt wurden im Vorjahr 1.102 antisemitische Vorfälle gemeldet. Das waren 17 Prozent mehr als 2024 und damit so viele wie nie zuvor, berichtete die Recherche- und Informationsstelle für Antisemitismus (Rias NRW) in Düsseldorf.

Besorgniserregend sei vor allem, dass sich Antisemitismus zunehmend „enthemmter und bedrohlicher“ zeige, warnt der Bericht. So wurden für das Vorjahr 32 antisemitisch motivierte körperliche Übergriffe gemeldet und damit 78 Prozent mehr als 2024. Die Zahl der gezielten Bedrohungen legte um 50 Prozent auf 33 erfasste Fälle zu. Hinzu kamen 60 registrierte Fälle von gezielter Sachbeschädigung jüdischer Einrichtungen sowie NS-Gedenkstätten.

Ausnahmezustand für jüdische Mitbürger

„Wir dürfen uns an diese Zahlen nicht gewöhnen“, mahnte NRW-Integrationsministerin Verena Schäffer (Grüne) bei Vorstellung der Zahlen. Für die jüdischen Mitbürger bedeute die wachsende Zahl an Übergriffen und antisemitischen Schmierereien einen permanenten Ausnahmezustand. Viele Juden würden im öffentlichen Raum ihre jüdische Identität verbergen und ihre Kippa abnehmen. Der Antisemitismus sei bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitet.

Nicht mehr auf einzelne Milieus begrenzt

Die registrierten antisemitischen Vorfälle zeigten, dass antisemitische Einstellungen längst nicht auf einzelne politische Milieus begrenzt seien, machte auch der Projektleiter von Rias NRW, Jörg Rensmann, deutlich. Antisemitismus verbinde unterschiedliche politisch-weltanschauliche Milieus und werde zunehmend gesellschaftlich normalisiert. Umso wichtiger sei es deshalb, jeder Form der „Relativierung und Normalisierung entschieden entgegenzutreten“.

Deutlich zu nahm im Vorjahr der israelbezogene Antisemitismus, der sich in 753 Vorfällen zeigte - 28 Prozent mehr als 2024. Hintergrund ist der Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 und der darauffolgende Krieg Israels im Gazastreifen. Der Kriegsverlauf sei ein „Katalysator für die Artikulation von Judenhass“ geworden, heißt es im Bericht.