Branche: NRW erlebt Boom beim Ausbau der Windenergie
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Windkraftrad
Düsseldorf (epd).

Beim Ausbau der Windenergie hat Nordrhein-Westfalen 2025 einen neuen Rekord aufgestellt. Mit 259 in Betrieb genommenen Windenergieanlagen mit einer Bruttoleistung von 1.346 Megawatt (MW) Strom sei erstmals innerhalb eines Jahres die Ein-Gigawatt-Grenze überschritten worden, teilte der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) am Montag in Düsseldorf mit. Damit liege NRW vor Niedersachsen und Schleswig-Holstein bundesweit auf Platz eins.

Der Branchenverband beruft sich bei den Zahlen auf eine vorläufige Auswertung des bundesweiten Marktstammregisters. Die in Nordrhein-Westfalen neu installierte Leistung stieg demnach um fast 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt gebe es nun 3.850 Windenergieanlagen im Bundesland mit einer Leistung von mehr als neun Gigawatt.

Beim Zubau der Windenergie in NRW lag den Angaben zufolge 2025 der Kreis Paderborn mit 34 Anlagen und einer Leistung von 181,6 Megawatt vorne, gefolgt vom Kreis Düren und dem Hochsauerlandkreis. An die Spitze bei den Genehmigungen setzte sich der Kreis Höxter mit 129 Anlagen mit einer Leistung von rund 860 MW, auf Platz zwei und drei folgen der Kreis Borken und der Hochsauerlandkreis.

Nach Einschätzung des Geschäftsführers des LEE, Christian Vossler, soll es auch im laufenden Jahr in Nordrhein-Westfalen einen Zuwachs an Windenergieleistung von „durchaus über 1.500 MW“ geben. Dafür sprächen die aktuell vorliegenden Genehmigungen für neue Anlagen mit einem Volumen von mehr als 6.000 Megawatt. Damit seien Investitionen von knapp zehn Milliarden Euro verbunden, betonte Vossler. Der weitere Ausbau im bisherigen Tempo werde aber „kein Selbstläufer“. Haupthindernis sei der fehlende Netzausbau.

Unternehmen klagen: Ausbau des Stromnetzes dauert viel zu lange

Der Geschäftsführer des Paderborner Windenergieunternehmens Hellwegwind, Steffen Lackmann, verwies darauf, dass die vielen, mittlerweile immer schneller erteilten Genehmigungen kaum nützten, wenn die Netze nicht vorhanden seien, um den Strom aufzunehmen. Von der Antragstellung bis zur Genehmigung eines Windparks vergingen inzwischen nur noch dreieinhalb Jahre, beim Netzausbau seien es weit über zehn Jahre. Allein in Ostwestfalen-Lippe müsse deswegen erneuerbarer Strom abgeregelt, also gedrosselt oder abgeschaltet werden, der 90.000 Haushalte ein Jahr versorgen könnte, so Lackmann.

Probleme durch marode Straßen und Brücken

Weiter beklagte der Branchenverband marode Autobahnen und Brücken, die die Transporte der Bauteile für Windenergieanlagen erschwerten. Sorgen bereite auch die 2026 anstehende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Sie müsse Grundlagen für sichere Investitionen schaffen. Doch seien aus dem Bundeswirtschaftsministerium auch Stimmen zu hören, nach denen fossile Energien „wieder salonfähig“ gemacht werden könnten, sagte Vossler.

Die Netzbetreiber und die Politik seien gefordert, „sich unserem Tempo anzupassen“, erklärten die beiden Branchenvertreter. Die Landesregierung aus CDU und Grünen unterstütze den Ausbau „sehr gut“, das von ihr anvisierte Ziel von mindestens 1.000 neuen Windanlagen bis zum Ende der Wahlperiode 2027 werde „wahrscheinlich übererfüllt“. Der Bund solle sich NRW „als Beispiel nehmen“.

Von Thomas Krüger (epd)