«Ich habe viele Jahre mit meinem Körper gekämpft»
Kira Geiss
Kira Geisse möchte junge Frauen vermitteln, dass sie unabhängig von Aussehen wertvoll sind.
Drei Fragen an Kira Geiss, Miss Germany 2023
Stuttgart/Wetzlar (epd)

Sich anzunehmen und schön zu finden, ist ein Prozess, weiß Kira Geiss, Journalistin und «Miss Germany 2023» (Stuttgart). Dem Evangelischen Pressedienst (epd) erklärt die 23-Jährige, warum sie jungen Frauen zeigen möchte, dass sie unabhängig von ihrem Aussehen und Gewicht wertvoll sind.

epd: Frau Geiss, am 21. Januar erscheint Ihr Mutmachbuch «Du bist kostbar & wunderschön» (Adeo-Verlag, Wetzlar), mit Fragen, Denkanstößen sowie Videobotschaften christlicher Influencerinnen. Es soll jungen Frauen zwischen 12 und 18 Jahren helfen, den eigenen Körper zu lieben. Was hat Sie motiviert, dieses Mädels-Journal zu schreiben?

Kira Geiss: Ich habe selbst viele Jahre mit meinem Körper gekämpft und weiß, wie mächtig die eigenen negativen Gedanken sein können. Es hat eine Zeit gebraucht, die Essstörung in den Griff zu bekommen. Aber zu wissen, dass da Menschen sind, die an meiner Seite stehen und für mich beten, hat mir immer wieder Kraft gegeben. Ich musste erst lernen: «schlank» ist kein Synonym für «wertvoll» - mein Wert ist von Gott festgelegt und kann sich nicht verändern. Cellulite ist kein Makel, sondern ganz normales Bindegewebe. Sport ist für die Gesundheit wichtig und nicht für das Aussehen. Und: Ich bin gewollt, kostbar und auf meine eigene Weise wunderschön."

Gegen das ständige Vergleichen

epd: Werbung, Influencer, Freunde - wer darf beurteilen, ob man schön ist?

Geiss: Das muss am Ende jeder und jede selbst festlegen. Ich ermutige aber gerne zum bewussten Hinterfragen. Es ist okay, sich nicht immer schön zu fühlen, wichtig ist, dass man sich, egal in welcher Situation, mit Respekt und Liebe begegnet. Ein ständiges Vergleichen mit scheinbar perfekten Leben und Körpern auf Instagram kann aber schnell das Gegenteil bewirken.

Studien zeigen, dass die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper bei einem hohen Social-Media-Konsum steigt, ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, eine Essstörung zu entwickeln. Immer mal wieder Abstand von dieser Welt zu nehmen, die einen zum ständigen Vergleichen animiert, kann deswegen wirklich guttun.

Wer bestimmt, was schön ist?

epd: Wie gelingt es, sich selbst schön zu fühlen?

Geiss: Sich anzunehmen und sich schön zu finden, ist ein Prozess. Man muss lernen, sich, seinen Körper und seine Bedürfnisse wahrzunehmen. Hinterfragen, wer das eigene Bild von Schönheit bestimmen darf. Und herausfinden, wie man mit negativen Gedanken und Selbstzweifeln umgehen kann. Wichtig ist, sich Hilfe zu holen, nicht alleine zu kämpfen und den ersten Schritt zu gehen. Ich wünsche mir von Herzen, dass viele Frauen anfangen, ihren Körper zu verstehen und zu feiern, anstatt sich für ihn zu schämen.

 

Von Judith Kubitscheck (epd)