Auf Roter Liste
Rephuhn-Paar
Der Zoo Heidelberg beherbergt ein Rebhuhnpärchen, mit dem er über die bedrohte Tierart aufklärt.
Das Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026
Heidelberg (epd)

Rebhühner, einst weitverbreitet, sind selten geworden. Mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2026 machen der NABU (Naturschutzbund Deutschland) und der bayerische LBV (Landesbund fürVogel- und Naturschutz) auf den Rückgang des Feldvogels aufmerksam. Seit November 2025 sind im Zoo Heidelberg zwei junge Rebhühner in einer Voliere zu sehen. «Das Pärchen ist im Juni im Tierpark Berlin geschlüpft», sagte Jasmin Leist vom Zoo Heidelberg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Tiere seien mit einem Tiertransport nach Heidelberg gebracht worden, sagte die Sprecherin. Das Rebhuhnweibchen legt bis zu 20 Eier in gut versteckte Bodennester.

Nach dem Schlüpfen - meist am selben Tag - führen beide Eltern ihre Küken gemeinsam. Auch wenn die Jungvögel nach fünf Wochen selbstständig sind, bleibt die Familie als sogenannte «Kette» bis zum Winter zusammen. In Heidelberg leben die mittlerweile 26 bis 30 Zentimeter großen Rebhühner mit Steinkäuzen zusammen.

Markanter Revierruf des Männchens

Diese Vergesellschaftung funktioniere, weil Steinkäuze vor allem kleinere Beutetiere wie Maikäfer oder Feldmäuse jagten. Der Zoo Heidelberg plane, perspektivisch eine Zucht aufzubauen. Eine Auswilderung sei nicht geplant, so Leist. Besucher könnten das Paar bei seinen Aktivitäten beobachten und so mehr über das Verhalten dieser bodenbewohnenden Vögel erfahren.

Ein Merkmal der Feldbewohner ist ihre raue Stimme, die in den frühen Morgen- und späten Abendstunden auf Äckern erklingt. Das schnarrende «girrhäk» sei der Revierruf des Männchens, schreibt der NABU auf seiner Website. Ob in heutiger Schreibweise oder als «Rep- oder Repphuhn» in älteren Quellen: Der deutsche Name wie auch die wissenschaftliche Bezeichnung Perdix perdix gehen auf den markanten Ruf des Männchens zurück.

Erwachsene Rebhühner sind Vegetarier

Zu Gesicht bekommt der Mensch sie kaum. Denn obwohl zur Familie der Hühnervögel und den Fasanenartigen gehörend, kommt das Rebhuhn ohne schillernden Federschmuck aus. Männchen und Weibchen sehen sich zum Verwechseln ähnlich - nur der markante Bauchfleck verrät das erwachsene Männchen. Das graubraune Gefieder ist die perfekte Tarnung für ein Leben am Boden.

Das erwachsene Rebhuhn ernährt sich überwiegend vegetarisch, bevorzugt Grasspitzen, Wildkräutersamen und Getreide. Verdauungsfördernd bei der faserreichen Kost wirken kleine Steinchen. Die Küken allerdings brauchen mehr: In den ersten Lebenswochen stehen Insekten, Spinnen und andere Kleintiere ganz oben auf dem Speiseplan.
Sie sind wichtig für ein gesundes Wachstum.

«Man sieht es unseren Rebhühnern an, dass wir sie gut füttern. Sie sind schon schön rundlich», sagte Leist. Den König in dem Märchen «Der gestiefelte Kater» hätte es gefreut - waren Rebhühner doch seine Spezialität, mit der der listige Kater seinen Herrn in den Adelsstand hob. In deutschen Sagen, Märchen und Fabeln sind Rebhühner eine wichtige Figur. Sie stehen als oft als Symbol für Klugheit, List oder als Auslöser für entscheidende Momente, wie in der Fabel «Das Rebhuhn und der Fuchs», wo es den hungrigen Fuchs überlistet.

Faktor Mensch bedroht die Feldvogelart

Die Wahl zum Vogel des Jahres richtet den Fokus auf die massive Bestandsabnahme des Rebhuhns in Deutschland und Europa: Seit den 1980er Jahren gehen die Zahlen drastisch zurück, größtenteils infolge intensiver landwirtschaftlicher Nutzung, dem Rückgang blütenreicher Feldraine, Hecken und Brachen sowie dem Einsatz von Pestiziden, durch den Insekten als wichtige Nahrungsquelle für Jungvögel knapp werden. Abhilfe könnten Blühstreifen, Wildwiesen - möglichst in der Nähe von Äckern und Feldern - leisten, betonte Leist.

Die Kampagne «Vogel des Jahres» gibt es seit 1971. Seit 2021 bestimmt die Öffentlichkeit in einer digitalen Wahl den Titelträger. Ziel ist es, jeweils eine Art in den Mittelpunkt des öffentlichen Bewusstseins zu rücken. Insofern ist das Rebhuhnpärchen im Heidelberger Zoo ein Botschafter zur Aufklärung und Sensibilisierung der Lage bedrohter Ackervögel. 

 

Von Susanne Lohse (epd)