Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt fünf Künstler, die mit Förderpreisen der Stiftung für Dokumentarfotografie ausgezeichnet sind - der bedeutendsten Auszeichnung dieser Art in Deutschland. Die Künstler erhalten laut Wüstenrot Stiftung ein Arbeitsstipendium von 10.000 Euro und zusätzlich die Erstattung der Produktionskosten für die Herstellung ihres Werks. Der Eintritt ist frei und der Katalog kostenlos in der Staatsgalerie verfügbar.
«Für mich ist das keine Fotografie», sagt Kuratorin Guilia Cramm, «da sich die Künstler neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz bedienen und ihre Ergebnisse in Collagen und Installationen präsentieren». Und doch sind die Arbeiten dokumentarisch in ihrer Bezugnahme zur Wirklichkeit. Laut Katalog zeichnen sich die Arbeiten durch ein bestimmtes Verhältnis von Fakt und Fiktion aus.
Hinrichtungen im Iran
Die iranische Künstlerin Nazanin Hafez (geb. 1991) beschäftigt sich in ihrem Werk «Spectators» mit den Hinrichtungen in ihrem Herkunftsland Iran. Sie fotografiert deren Schauplätze, schneidet die einzelnen Elemente dieser Fotos aus und montiert sie zu neuen - fiktiven - Collagen. «Sie möchte bewusst nicht die Hinrichtungen selber darstellen, da die Verbreitung dieser Bilder dazu führt, dass Gewalt als gesellschaftliche Normalität betrachtet wird», so Cramm. Die Collagen zeigen Kräne, an denen Menschen erhängt wurden, Seile, Kleidung der Opfer in surrealistischen Inszenierungen. Ein Bildschirm zeigt Videoaufnahmen von den Schauplätzen, die wie alltägliche Orte aussehen.
Hinter den unscheinbaren Fassaden in der Videomontage «Die Dialektik dieser Arbeit» von Hannah Wolf (geb. 1985) produzieren deutsche Rüstungsunternehmen tödliche Waffen. «Die Künstlerin stammt aus Bremen mit drei Rüstungsunternehmen in ihrem Wohnumfeld. Und sie überlegte sich, ob sie sich jetzt sicher oder unsicher fühlen soll,» erklärt Cramm die Entstehung dieser Arbeit. Daraufhin fuhr die Künstlerin durch ganz Deutschland und fotografierte die Gebäude der Rüstungsindustrie, die sich unauffällig in Stadtlandschaften eingliedern. Diese Bilder kombiniert Wolf mit Versen von Dantes «Göttlicher Komödie», übersetzt von Lorenz Zuckermandel, Mitbegründer der Aktiengesellschaft der heutigen Rheinmetall.
Faszination Ameise
«Ich habe mich schon immer für Ameisen interessiert», erklärt Künstler Malte Uchtmann (geb. 1996), warum er soviel über Ameisen weiß. In seinem Werk «Ant-Hology (engl. ant=Ameise) sammelt er Fakten über Ameisen. Er hat im Internet ein interaktives Archiv angelegt mit Wissen über die kleinen Krabbler (www.ant-hology.info). Dieses Wissen erscheint in Zitaten in seiner Videoinstallation kombiniert mit Ausschnitten aus Comic- und Dokumentarfilmen. Dort taucht er selbst als Vermittler zwischen der Ameisenwelt und der des Betrachters als große vermenschlichte Ameise auf. »Mich interessiert besonders, wie am Beispiel der Ameisen Wissen und Wahrnehmung sich gegenseitig beeinflussen", sagt der Künstler.
Die Videoinstallation vom Duo Kristina Lenz (geb. 1992) und Alex Simon Klug (geb. 1991) untersucht, welchen Einfluss Synthetische Bilder auf die Gegenwart haben. Sie dokumentieren die rasante Entwicklung von KI-Diffusionsmodellen mit reliefartigen Gips- und Betonabgüssen.