Diakonie Kork hat eine eigene KI
Frank Stefan
Der Erfinder und Entwickler der KI, Frank Stefan: «Es ist ein zeitgemäßes Tool für gute Arbeit».
Arbeitserleichterung auf Knopfdruck: Schnellere Verwaltungsarbeit
Kehl-Kork (epd)

Eine hauseigene KI erleichtert seit September bei der Diakonie Kork im badischen Kehl die Arbeitsabläufe. Ob Symbole für den Tagesplan, Abläufe in leichter Sprache oder schlicht die Arbeitsanweisung in der Muttersprache - die «Kork-KI» machts möglich. «Es ist ein zeitgemäßes Tool für gute Arbeit», sagte der Erfinder und Entwickler der KI, Frank Stefan, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der fachliche Vorstand der evangelischen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und einem bundesweit bekannten Epilepsiezentrum tüftelte neun Monate an der «Kork-KI». Was auf dem Markt war, habe nicht überzeugen können und sei zu teuer gewesen, so die Erfahrung von Stefan. Neben dem Preis waren Datensicherheit und Mehrsprachigkeit wesentliche Kriterien für die Einführung des neuen Tools.

Ein eigener Server für den Datenschutz

«Wir waren auf der Suche nach einer Datenschutzsicheren Lösung», sagt er mit Blick auf sensible Gesundheitsdaten. Rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 70 Nationen, darunter viele aus Indonesien, Madagaskar oder Brasilien, zählt die Diakonie Kork. Obwohl Sprachniveau B 2 Einstellungsvoraussetzung für eine Anstellung bei der Einrichtung ist, stellten Formulare in Behördendeutsch eine Hürde dar, weiß der Theologe.

Die Lösung bestand in einem eigenen, «abgekapselten» Server, der Anfragen lokal beantwortet und sofort wieder löscht. Stefan vergleicht das Prinzip mit einer Mietwerkstatt: «Es ist alles vorhanden, um das Auto zu reparieren. Wenn ich fertig bin, wird aufgeräumt und es ist nicht mehr erkennbar, wer was benutzt hat.»

Übersetzungshilfe für alle Landessprachen

Der Schutz persönlicher Daten sei gerade bei der Übersetzung ausländischer Dokumente bedeutsam. Internationale Krankenakten oder das Abiturzeugnis dürften nicht über den «Google-Übersetzer» laufen, betont Stefan. Die «Kork-KI», deren Benutzeroberfläche in fünf Sprachen zur Verfügung steht, biete in Verbindung mit dem Smartphone eine unmittelbare, DGVSO-konforme Übersetzungshilfe für alle benötigten Landessprachen, betont er.

«KI kann ein großes Hilfsmittel sein», zeigte sich Diakonie-Präsident, Rüdiger Schuch, bei seiner Sommertour beeindruckt von den Möglichkeiten. Seit Mai stand die «Kork-KI» rund 80 Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern im Probebetrieb zur Verfügung. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen.

Zeitersparnis in Verwaltung, mehr Zeit für Arbeit am Menschen

Betont wurde laut Stefan vor allem die Schnelligkeit, mit der die KI arbeitet. Erleichterungen habe es beim «Erfassen längerer Texte» und auch im Klinikbereich bei der Kommunikation mit fremdsprachigen Patienten gegeben. Wegen der Nähe zu Frankreich suchen viele französischsprachige Menschen aus dem Elsass die Einrichtung in Kehl-Kork auf.

Als Alltagsbegleiterin stelle die «Kork-KI» interne Informationen und Dokumente so zusammen, dass Mitarbeitende benötigte Informationen schneller und einfacher finden könnten. Ziel sei es, Mitarbeitende zu entlasten, administrative Prozesse zu vereinfachen und so mehr Zeit für die Begleitung und Unterstützung von Menschen schaffen. «Ich rechne nicht mit unmittelbarer Einsparung von Stellen», sagt Stefan.

Ein digitales Archiv entsteht

Einen weiteren Vorteil der KI erkennt Stefan in einer Art «Unternehmensgedächtnis». Wenn langjährige Mitarbeiter in Ruhestand gehen, gehe immer auch im Laufe der Jahre erworbenes Erfahrungswissen verloren. Als «digitales Archiv» speichere die KI die Informationen genau und mache frühere Abläufe für nachfolgende Beschäftigte nachvollziehbar.

«Hier geht es um ein Instrument, das Menschen helfen soll, ihre Aufgaben effizient erledigen zu können, ohne die Verantwortung für das Ergebnis aufzugeben», deutet Stefan die Grenzen der KI an. Die KI sei kein Entscheider, stellt er klar: «KI ist sinnvoll, wenn es um eine kreative Lösung geht, nicht um Buchhaltung. Das Finanzamt will keine kreativen Lösungen, sondern arbeitet nach festen Regeln.»

Stefan, der Vergleiche schätzt, fasst die Chancen durch den Einsatz der neuen Technik in der Diakonie folgendermaßen zusammen: «Für den Alltag geht hier ziemlich viel, KI ist ein bisschen wie ein Schweizer Taschenmesser.» 

Von Susanne Lohse (epd)