Badischer Dialog: Gauck ruft zu Verantwortung auf
Joachim Gauck
Alt-Bundespräsident Joachim Gauck lieferte Impulse.
Freiburg (epd)

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck beobachtet in Deutschland ein «Defizit an Zuversicht» und ermutigt zu aktiv gelebter Verantwortung. «Wir brauchen nicht nur kultivierte Betrachter der Untergänge, sondern wir brauchen engagierte Aktive bei der Gestaltung der Zukunft», sagte er in Freiburg in seiner Rede zum Thema «Demokratie unter Druck - unsere Verantwortung in Zeiten von Unsicherheit und Bedrohung». Menschen seien gefragt, die in mutiger Verantwortung das Leben gestalten.

Eine wichtige persönliche Erfahrung sei für ihn das Jahr 1989. Damals hätten viele Bürger in der DDR ihre Angst überwunden und ein autoritäres System friedlich beendet. Diese Erfahrung habe ihm gezeigt, dass Menschen politische Systeme verändern können, wenn sie Mut entwickeln und Verantwortung übernehmen.

Gauck: Deutschland ist durchzogen von einem Netzwerk des Guten

Auch heute sei es wichtig, Verantwortung zu leben. Diese Haltung helfe im Umgang mit «Verächtern unserer Demokratie». «Wir werden sie erinnern, was daraus geworden ist, als Deutschland das Recht hinten anstellte, das Völkerrecht wie die individuellen Rechte. Wir werden sie erinnern, was aus einem Land wird, das im Nationalismus in eine Hybris ohnegleichen versinkt.»

Es brauche eine neue Dankbarkeit für die Schätze der Demokratie wie Meinungsfreiheit, Glaubens- und Versammlungsfreiheit. Und auch für freie, gleiche und geheime Wahlen, die Gauck persönlich zum ersten Mal erst mit 50 Jahren nach der Wende erlebte. Gerade in Zeiten von Krisen dürfe man nicht vergessen, dass unser Land «nach wie vor durchzogen ist von einem Netzwerk des Guten und der Guten», sagte er.

Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts ruft zum Einsatz für gesellschaftlichen Zusammenhalt auf

Inken Gallner, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt, rief in ihrer Rede dazu auf, die liberale Demokratie in Europa aktiv zu verteidigen. «Unsere Grundlagen des Zusammenlebens sind bedroht», sagte sie. Man lebe in einer von Abstiegsangst, Zerstörungswillen, innerer und äußerer Unsicherheit geprägten Zeit. Die Welt, Europa und Deutschland seien dramatischen Umbrüchen ausgesetzt. «Wir wissen mittlerweile, dass wir im Systemkampf zwischen der freien Welt - liberalen Demokratien und Rechtsstaaten - einerseits und autoritären Regimen andererseits sind.»

Gallner forderte dazu auf, sich öffentlich und privat für sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt auszusprechen und für diesen einzutreten. «Zeigen wir durch unser Sagen und Handeln, was für ein Glück es ist, in der gereiften Demokratie Deutschlands und in einem in Vielfalt vereinten Europa zu leben», sagte die Juristin.

Bischöfin Springhart: «Freiheit ist kein Besitz, sondern eine Aufgabe»

Die Bischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden, Heike Springhart, sagte in ihrem Grußwort, in einer Demokratie brauche es Menschen, die wissen: Freiheit ist kein Besitz, sondern eine Aufgabe. Ein entschiedenes «Ja» zur Mitverantwortung sei nötig, ein Eintreten für Strukturen, die Freiheit ermöglichen und für Regeln, die ein gerechtes Zusammenleben sichern.

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger sagte, oft würden die Möglichkeiten im demokratischen Miteinander unterschätzt. Jeder einzelne Mensch sei von Gott beschenkt und begabt. Die Demokratie werde bereichert von Menschen, die ihre Begabungen, aber auch Werte und Ideale teilen. «Hier liegt ein Schatz, der uns alle reicher machen wird», sagte Burger.

Die gemeinsame Veranstaltungsreihe «Badischer Dialog. Kirche und Staat in Europa» der Erzdiözese Freiburg und der Evangelischen Landeskirche in Baden fand zum vierten Mal statt. Dieses Jahr hatte der «Badische Dialog» das Thema: «Verlust der demokratischen Kultur - Christinnen und Christen in der Verantwortung».

 

Von Judith Kubitscheck (epd)