Vor COP 31: "Fridays for Future" fordert Klimaschulden ein
Berlin (epd).

Die Klimabewegung „Fridays for Future“ hat vor der Weltklimakonferenz COP 31 Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisiert: Aktivistin Luisa Neubauer sagte am Mittwoch, der Bundeskanzler werde nicht im türkischen Antalya vor Ort sein und setze damit das Zeichen, dass er junge Menschen und deren Zukunft auf dem Planeten hängen lasse. Dass „Fridays for Future“ vor Ort sei, aber nicht der Kanzler, sei „ein absoluter Tabubruch“, sagte Neubauer.

Im vergangenen Jahr war Merz einen Tag auf der COP 30 im brasilianischen Belém und sorgte im Anschluss mit einer Äußerung über die Konferenzstadt für Empörung in Brasilien. Bei der diesjährigen COP soll unter anderem ein Elektrifizierungsziel verabschiedet werden. Dieses sieht vor, 35 Prozent des weltweiten Energiebedarfs bis 2035 mit Strom zu regeln. Derzeit liegt der Anteil bei etwas mehr als 20 Prozent.

Neubauer erklärte, es ergebe sich derzeit ein „historisches Zeitfenster von Demokratisierung“, welches genutzt werden müsse. Bei den US-Zwischenwahlen am Dienstag hätten einige Kandidierende gewonnen, die mit dem Versprechen von mehr Klimaschutz angetreten sind. Auch in anderen Ländern wie Brasilien oder Serbien hätten sich die Wählenden gegen fossile Pläne entschieden und progressive Kräfte gestärkt.

Forderung nach Geldern für Globalen Süden

„Fridays for Future“ kritisiert, dass die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 nur schleppend verlaufe. Das UN-Umweltprogramm Unep hatte erst vor zwei Wochen ein düsteres Bild von der Temperaturentwicklung auf der Erde gezeichnet: Demnach sei beim derzeitigen Kurs mit einer Erderwärmung um bis zu 2,8 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit noch in diesem Jahrhundert zu rechnen. Damit würde die international vereinbarte Marke von 1,5 Grad Celsius weit überschritten.

Deutschland müsse laut „Fridays for Future“ Gelder bereitstellen, um Länder des Globalen Südens und Inselstaaten bei der Bekämpfung der Klimakrise zu unterstützen. Diese würden am wenigsten dazu beitragen, seien aber am stärksten von ihr betroffen. Einige Auslöser des Klimawandels seien auch „Made in Germany“, sagte Neubauer. Die EU müsse sich bewusst sein, was für ein privilegierter Kontinent Europa sei.

Demonstrationen geplant

Während der Verhandlungen will die Bewegung ein Zeichen setzen und am 13. November deutschlandweit in mehr als 60 Städten für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen. Unter dem Motto „Pay your climate debt“ (Zahlt eure Klimaschulden) werde gefordert, dass Deutschland seiner globalen Verantwortung gerecht wird. Unter anderem soll in Berlin demonstriert werden. Ein Laternenumzug soll vom Kanzleramt aus durch das Regierungsviertel führen.

Neubauer kritisierte weiter, dass Kanzler Merz für sich beanspruche, Politik für junge Menschen zu machen, diese aber tatsächlich ignoriere. Der Kanzler lasse „demonstrativ junge Menschen und deren Zukunft auf diesem Planeten hängen“. Die Jugend sehe, welche Welt für sie in 30, 40 Jahren hinterlassen werde: Eine, die „Katastrophen mit sich bringt, die wir uns nicht mal ausdenken können.“

Von Jonas Grimm (epd)