Unstrut erhält mehr Raum
Erfurt (epd).

Mit einem langfristig angelegten Umbau des Hochwasserschutzes an der Unstrut will Thüringen Risiken für Siedlungen und Infrastruktur deutlich senken. Zugleich sollen ökologische Defizite behoben werden, erklärte Umweltminister Tilo Kummer (BSW) am Dienstag in Erfurt. Das „Generationenprojekt“ betreffe die mittlere und untere Unstrut bis zur Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt.

Ausgangspunkt sind laut Kummer erhebliche strukturelle Schwächen. Das bestehende Deichsystem sei historisch gewachsen, teils mehrere Jahrhunderte alt und vielerorts nicht auf ein sogenanntes hundertjährliches Hochwasser ausgelegt. Bereits 2013 habe sich die Anfälligkeit gezeigt, als nur mit großem Einsatz ein Deichbruch verhindert worden sei.

Grundwasserbildung verbessern

Statt den Fluss weiter einzuengen, soll er laut Kummer künftig mehr Raum erhalten. Geplant sind abschnittsweise Deichrückverlegungen sowie die Reaktivierung früherer Überschwemmungsflächen, in denen Wasser gezielt zurückgehalten werden kann. Bestehende Anlagen wie das Rückhaltebecken Straußfurt werden in ein Gesamtsystem integriert und ausgebaut. Parallel sollen veraltete Schutzbauwerke angepasst oder zurückgebaut werden. Die Gesamtkosten werden für die kommenden 30 Jahre auf rund 400 Millionen Euro geschätzt

Neben dem technischen Hochwasserschutz verfolgt das Land wasserwirtschaftliche und ökologische Ziele. Durch zusätzliche Retentionsflächen soll sich der Wasserhaushalt stabilisieren und die Grundwasserneubildung verbessert werden. Zudem sollen naturnahe Auen entstehen und die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie besser erfüllt werden.