Umweltschützer setzen auf Biber als Helfer bei Flussrenaturierung
Erfurt (epd).

Der Naturschutzbund Thüringen (Nabu) hat die Landesregierung aufgefordert, den im Koalitionsvertrag vereinbarten Aktionsplan zur Belebung von Bach- und Flussauen zügig auf den Weg zu bringen. Angesichts jahrzehntelanger Begradigungen, Entwässerungen und intensiver Nutzung brauche es ein landesweit koordiniertes Vorgehen statt einzelner Maßnahmen, sagte der Naturschutzreferent des Verbands, Marcus Orlamünder, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Viele Auen hätten dadurch ihre Funktionen für Klima- und Hochwasserschutz, Biodiversität und Wasserrückhalt verloren.

Unterstützung bei der Renaturierung könne der Europäische Biber leisten. Durch seine Bautätigkeit schaffe er zusätzliche Kleingewässer, Totholz, Feuchtwiesen und naturnahe Uferstrukturen, so Orlamünder. Davon profitierten zahlreiche Arten wie Libellen, Amphibien, Reptilien sowie Fische und Vögel. Wo der Mensch viel Geld und Energie investieren muss, helfe der Biber zum Nulltarif. Zugleich trage der streng geschützte Nager zur Gewässerreinhaltung und zum natürlichen Hochwasserschutz bei.

Rund 1.100 Tiere in 320 Revieren

Orlamünder verwies auf ein aktuelles Beispiel aus dem Landschaftsschutzgebiet Brdy nahe Prag. Dort habe der Biber eine seit sechs Jahren geplante Renaturierungsmaßnahme faktisch umgesetzt und umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro eingespart. Geplante Dämme und ein naturnaher Gewässerverlauf seien allein durch seine Bautätigkeit entstanden. Auch in Thüringen könne der Biber ähnliche Effekte erzielen, wenn ihm ausreichend Raum und Akzeptanz eingeräumt würden. Im Freistaat leben etwa 1.100 Biber in rund 320 Revieren.