Ist der Wasserstand in Bächen, Kanälen oder Flüssen zu niedrig, stauen Biber durch Dämme das Wasser an. So schützen sie die Zugänge zu ihren Biberburgen. Vor allem an kleineren Bächen und Gräben kommt es jedoch gelegentlich zu Konflikten durch die überschwemmten Waldgebiete, Wiesen oder landwirtschaftlichen Flächen.
Dies sei aber „keinesfalls landesweit, sondern lediglich vereinzelt in wenigen Regionen“ der Fall, beschwichtigt Robin Baake aus der Pressestelle des Landesumweltministeriums im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Magdeburg. Um Konflikte in beiderseitigem Einvernehmen zu lösen, gibt es seit Ende 2020 die Biberkompetenzstelle im Biosphärenreservat Mittelelbe.
Die Experten beraten Land- und Forstwirte, Kommunen oder Privatpersonen zu Fragen rund um Biberschutz und Bibermanagement, sagt Baake. „Wenn Biber durch das Fällen von Bäumen oder den Bau von Dämmen Schäden anrichten“, steht die Kompetenzstelle fachkundig und mit Rat bereit. Zudem helfen die Fachleute bei der Bergung von verletzten oder kranken Tieren, um sie in extra Aufnahmestellen zu pflegen und wieder auszuwildern.
Strenger Schutz hat Aussterben verhindert
Durch ungezügelte Jagd war Europas größtes Nagetier vor gut hundert Jahren nahezu ausgerottet. Nach Informationen des Ministeriums war das Vorkommen von nur noch 200 Bibern an der Mittleren Elbe im heutigen Sachsen-Anhalt Anfang des 20. Jahrhunderts eine von lediglich vier verbliebenen Biberpopulationen in ganz Europa. Nur durch konsequenten Schutz und die Ausweitung von natürlichen Rückzugsgebieten im heutigen Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe konnte die Art vor dem Aussterben gerettet werden.
Mit rund 3.600 Bibern in etwa 1.150 Revieren ist Sachsen-Anhalt heute ein Hauptverbreitungsgebiet des geschützten Nagers in Deutschland. Die größten Vorkommen befinden sich in den Flussgebieten von Elbe, Mulde und Havel sowie im Feuchtgebiet Drömling zwischen Gardelegen (Sachsen-Anhalt) und Wolfsburg (Niedersachsen). Biber aus Sachsen-Anhalt wurden seit den 1970er Jahren sogar zum „Exportschlager“ und haben in Deutschland, den Niederlanden oder in Tschechien die Bestände anwachsen lassen.
Bibermanagement soll aktualisiert werden
Die bisherigen Regelungen zum Umgang mit Schäden durch die Nager gehen der CDU-Landtagsfraktion nicht weit genug. So kritisiert die umweltpolitische Sprecherin, Sandra Hietel-Heuer, dass „die Biberpopulation in vielen Regionen Sachsen-Anhalts zunehmend zu Nutzungskonflikten“ führt. Insbesondere in der Land- und Forstwirtschaft sowie bei der Gewässerunterhaltung sei das der Fall. Demgegenüber geht das Umweltministerium davon aus, dass dies „lediglich Ausnahmefälle“ seien.
Einig scheint man sich jedoch, die Handlungsempfehlung zum Umgang mit Bibern zu aktualisieren. Dazu läuft eine Verbändebeteiligung mit entsprechenden Beratungen im Umweltausschuss. „Dadurch sollen wichtige Anliegen aus der Praxis gehört werden, die nach kritischer Prüfung und praktikabler Bewertung“ auch übernommen werden könnten, sagte Robin Baake. Neben praxistauglichen und möglichst unbürokratischen Regelungen steht dabei jedoch der Schutz der streng geschützten Art an erster Stelle.
Biber könnten Helfer in Trockenzeiten sein
Nach Ansicht von CDU-Politikerin Hietel-Heuer reicht das nicht aus, um bestehende Konflikte zu entschärfen. Ihre Fraktion fordert deshalb, dass „die noch nicht final abgestimmten Handlungsempfehlungen nachgeschärft werden“. Wichtig sei ein abgestimmtes Bibermanagement. Dazu zählen für Hietel-Heuer „praxistaugliche Eingriffs- und Entnahmemöglichkeiten sowie eine bessere finanzielle Ausstattung für Präventions- und Ausgleichsmaßnahmen“.
Hingegen sieht Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann (SPD) auch Vorteile durch den Biber: „Durch das Fällen von Gehölzen und ihre baulichen Aktivitäten tragen die Nager aktiv zu Artenvielfalt und Wasserrückhalt in der Fläche bei.“ Das sei gerade in trockenen Sommern ein Effekt, von dem auch Menschen profitierten.