Nabu: Wolf und Luchs können Muffelwild in Thüringen regulieren
Jena (epd).

Der Naturschutzbund Thüringen (Nabu) sieht in der Rückkehr von Wolf und Luchs eine wirksame Möglichkeit, stark angewachsene Muffelwild-Bestände in Ost- und Südthüringen zu regulieren. Die großen Beutegreifer hätten eine zentrale Funktion im Ökosystem, erklärte ein Verbandssprecher am Dienstag in Jena. Sie trügen dazu bei, Wildbestände gesund zu halten, indem sie bevorzugt alte, kranke oder geschwächte Tiere erbeuten.

In mehreren Regionen Thüringens bereiten große Herden frei lebender Mufflons laut Nabu wachsende Probleme. Schäden an jungen Waldbäumen und landwirtschaftlichen Kulturen nähmen deutlich zu.

Junge Bäume gefährdet

Der Naturschutzexperte des Verbands, Silvester Tamás, erklärte, Mufflons stammten ursprünglich von Mittelmeerinseln wie Sardinien und Korsika und wurden im 19. Jahrhundert in Deutschland angesiedelt. Inzwischen seien Herden mit bis zu 300 Tieren keine Seltenheit mehr. Wolf und Luchs könnten hier als „Partner der Jäger“ wirken, da sie flächendeckend und ganzjährig jagen. Das könne Waldbesitzer und Landwirte entlasten, insbesondere in geschädigten Waldgebieten, in denen der Aufwuchs junger Bäume durch den Verbiss des Muffelwilds gefährdet sei.

Kritisch äußerte sich der Verband zu den Bestrebungen der Thüringer Landesregierung, den Wolf stärker zu bejagen oder wolfsfreie Gebiete auszuweisen. Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand befinde sich der Wolf in Deutschland und auch in Thüringen mit rund 30 Tieren nicht in einem günstigen Erhaltungszustand. Es bedürfe einer faktenbasierten Diskussion und mehr Anerkennung des Wolfs als Bestandteil des Ökosystems.