Wildtiere sind bei großer Hitze besonders in der Großstadt auf Rückzugsräume angewiesen. „Genau wie Menschen wollen die Tiere bei hohen Temperaturen einfach in Ruhe gelassen werden“, sagte der Berliner Wildtierreferent Derk Ehlert dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag. Grundsätzlich hätten es Wildtiere bei Hitzewellen in Großstädten wie Berlin leichter als auf dem Land: „Hier gibt es oft abwechslungsreichere Landschaften und mehr Wasserflächen als zum Beispiel im Kiefernwald“. Allerdings solle man ihren Rückzugsräumen nicht zu nahe kommen und etwa in Parks die Wege nicht verlassen.
Auch der Mensch kann Wildtieren helfen, Hitzephasen besser zu überstehen. „Man kann viel machen, indem man wenig macht“, sagte Ehlert. Viele kleinere Tierarten versteckten sich zur Abkühlung gerne in Laubhaufen und Sträuchern. Da helfe es bereits, nicht zu viel im eigenen Garten aufzuräumen. Für Vögel und Insekten könne es Erfrischung bringen, eine Schale mit Wasser nach draußen zu stellen. Diese sollte aber täglich mit heißem Wasser ausgespült werden, um der Ausbreitung von Krankheiten vorzubeugen.
Stöcke im Wasser dienten dabei Insekten als Rettungsleiter. Am wichtigsten sei aber, Tiere nicht zu stören und damit unnötig zu stressen. Der Wildtierreferent rät: „Langfristig sollten wir mehr Natur in die Stadt bringen. Und das kann schon mit dem Pflanzen von längeren Gräsern auf dem Balkon anfangen.“
Viele Tiere sind bereits gut für Hitze gerüstet
Angaben der Stiftung Naturschutz Berlin zufolge leben 59 wilde Säugetierarten in der deutschen Hauptstadt, darunter 2.000 bis 5.000 Wildschweine. Hinzu kommen demnach unter anderem 14 Amphibien-, 38 Fisch- und 133 brütende Vogelarten sowie mehr als 5.000 Insektengattungen. Laut Ehlert verfügen die meisten von ihnen bereits über gute Anpassungsstrategien für Hitzeperioden. „Manche Tiere schmieren sich etwa mit Schlamm ein“, sagte der Wildtierreferent.
Wasserbewohner leiden indes oft unter Hitze, weil sich dadurch der Sauerstoffgehalt verringert. Zugleich kann laut Ehlert plötzlicher Starkregen die Kanalisation überlasten und durch Überläufe Dreck und Bakterien in Gewässer spülen. „Wenn hohe Temperaturen auf organische Substanz und Bakterien treffen, kann es problematisch werden, weil diese dann viel Sauerstoff verbrauchen“, sagte der Naturschutzexperte. Das sei dann im Extremfall gefährlich für Fische. In Berlin werde aber mit Zisternensystemen daran gearbeitet, auch extreme Wassermengen besser abzuleiten.