Die Wiederansiedlung des Luchses im Harz war nach Einschätzung des Nationalparks Harz sehr erfolgreich. „Ich gehe davon aus, dass die innerhalb des Harzes zur Verfügung stehenden Reviere mittlerweile komplett von Luchsen besetzt sind“, sagte Luchs-Koordinator Ole Anders dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Magdeburg.
Allerdings gab es im Winter fünf Attacken eines Luchses auf Herden im Südharz, bei denen 27 Schafe getötet wurden. Zuvor habe es nur selten vereinzelte Luchsrisse gegeben, sagte Anders. Dass ein einzelner Luchs „in so kurzer Zeit eine so hohe Zahl von Schafen tötete“, habe er in seiner 25-jährigen Praxis noch nicht erlebt.
Luchs galt lange als ausgestorben
Die Wiederansiedlung der Luchse im Harz hatte im Jahr 2000 begonnen. Zuvor galt der Luchs 200 Jahre als ausgestorben. Das Luchsprojekt Harz sei das erste offizielle Wiederansiedlungsprojekt dieser großen Katzenart in Deutschland, hieß es. Bis zum Jahr 2006 wurden insgesamt 24 Eurasische Luchse im Oberharz westlich vom Brocken ausgewildert. Durch den großflächigen Einsatz von Fotofallen konnte mittlerweile ein Bestand von rund 90 Tieren im gesamten Harz ermittelt werden, sagte Anders. Auch bei Halberstadt und Quedlinburg gab es bereits Luchsnachwuchs.
Population im Ostharz höher
Ab etwa 2006 konnte auch im Ostharz Luchsnachwuchs nachgewiesen werden, und seit 2013 ist Europas größte Katzenart wieder im gesamten Harz heimisch. Die Untersuchungen des Nationalparks zeigten, dass im Ostharz die Luchspopulation auf gleicher Fläche höher ist als in den Höhenlagen des Westharzes. Dies ist möglicherweise unter anderem auf ein unterschiedliches Nahrungsangebot zurückzuführen. Hauptsächlich ernähren sich die Harz-Luchse von Rehen und Rotwild.
Auch die Waldgebiete westlich und südlich des Harzes in Niedersachsen und Thüringen sind mittlerweile wieder Luchsreviere. Die Experten vom Nationalpark schätzen hier den Bestand auf aktuell rund 70 Luchse. „Demnach besteht das gesamte Vorkommen derzeit aus mindestens 160 Individuen“ in einem Gebiet „von den östlichen Ausläufern des Harzes bei Eisleben bis zur Weser“, sagte Anders.
Weitere Ausbreitung vor allem nach Süden
Da die Gebiete nördlich und östlich des Harzes eher spärlich bewaldet sind, würden sie von Luchsweibchen gemieden. Es gebe dort zu wenig Deckung und vergleichsweise wenig Nahrung. Für die Zukunft erwartet Anders neue Ansiedlungen von Weibchen mit Jungtieren eher in Richtung Thüringen, also südlich des Harzes, und westlich bis nach Hessen. Mittlerweile zögen Harz-Luchse auch weiter und konnten im Hainich und im Thüringer Wald nachgewiesen werden. Zudem seien erste Luchse wieder im Erzgebirge in Sachsen heimisch geworden.
Einzelne abwandernde Männchen würden mitunter weite Wege gehen. So wurden in Sachsen-Anhalt erste Luchse auch schon im Flechtinger Höhenzug und der Colbitz-Letzlinger Heide nachgewiesen. Doch „Hinweise auf Reproduktion haben uns von dort aber noch nicht erreicht“, ergänzte Anders. Ein einzelner Luchs sei zudem bei Seehausen in der Altmark nachgewiesen worden. Doch das sei wohl eine Ausnahme.