Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Sachsen sind laut einem „Hitze-Check“ der Deutschen Umwelthilfe (DUH) überdurchschnittlich stark von gesundheitsschädlicher Hitze betroffen. Die DUH verteilte an 57 von 68 untersuchten Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnenden eine „gelbe Karte“, an fünf gar die „rote Karte“ und nur sechs erhielten eine „grüne Karte“, wie DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz am Dienstag bei der Vorstellung der Untersuchung sagte.
Schlusslichter im Freistaat sind demnach Schkeuditz, Markranstädt, Eilenburg, Wilsdruff und Leipzig. Die Mehrheit der untersuchten sächsischen Kommunen erhielten die „gelbe Karte“, darunter etwa Städte wie Dresden, Chemnitz und Görlitz. Eine „grüne Karte“ bekamen nur Bischofswerda, Schwarzenberg/Erzgebirge, Dippoldiswalde, Löbau, Ebersbach-Neugersdorf und Annaberg-Buchholz gezeigt.
Fast 130.000 Bäume weniger
In den Kommunen mit „grüner Karte“, sowie darüber hinaus in Zittau und Weißwasser/Oberlausitz, sah die Umwelthilfe Fortschritte bei der Entsiegelung. Annaberg-Buchholz habe zudem als einzige Stadt einen Beschirmungsgrad von mindestens 30 Prozent erreicht. Gleichzeitig beklagte die DUH, dass in den Jahren 2018 bis 2025 sachsenweit fast 130.000 Bäume verschwunden seien.
Um Hitzeschutz für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen vor Ort voranzubringen, plant die Organisation zusammen mit den gesetzlichen Krankenkassen ein Pilotprojekt in den Kommunen Chemnitz, Taucha und Torgau. Die DUH verwies auf Zahlen des Robert Koch-Instituts, wonach in diesem Jahr bis Mitte August in Sachsen 550 Menschen an Hitze gestorben sind.
Obdachlose besonders betroffen
Jenny Müller von der Arbeitsgemeinschaft des Bündnisses der gesetzlichen Krankenkassen erklärte, dass Klimawandel „nicht mehr nur ein Umweltthema, sondern auch ein Gesundheitsthema“ sei. Hitzeschutz gehöre zu einer gesundheitsfördernden Kommune dazu, sagte Müller. Es benötige mehr als „nur Warnmeldungen an heißen Tagen“.
Der Leiter der Wohnungsnotfallhilfe der Stadtmission Chemnitz, Alfred Mucha, sieht insbesondere Obdachlose von Hitze gefährdet. Diese könnten sich nicht zurückziehen und seien auf öffentliche Plätze angewiesen. Versiegelung und zu wenig Verschattung stelle daher ein großes Problem dar.
Bundesweiter Check: Nur zwei „grüne Karten“
Die DUH berücksichtigte für die Errechnung der Hitzegefährdung die Baumüberschirmung, den Trend der Flächenversiegelung und einen Hitzebetroffenheitsindex. Die Informationen zu Vegetation und Versiegelung stamme den Angaben zufolge aus KI-Modellen, welche Satellitendaten des EU-Beobachtungsprogrammes Copernicus nutzen.
Die DUH führt seit 2024 bundesweite „Hitze-Checks“ durch. Von 195 untersuchten Städten im diesjährigen Check erhielten nur zwei, Wuppertal und Kiel, insgesamt eine „grüne Karte“.