Trotz sinkender Kinderzahlen plädieren Kita-Träger sowie die Bildungs-Gewerkschaft in Sachsen für den Erhalt von Infrastrukturen und Fachpersonal. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen (GEW Sachsen) fordern für Kindertagesstätten eine gemeinsame Kraftanstrengung. Der Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, Michael Richter, erklärte am Donnerstag in Dresden: „Wir brauchen in Sachsen endlich eine Debatte darüber, wie wir Kitas zukunftsfest aufstellen, um Strukturverluste zu vermeiden.“
Freistaat, Kommunen und Trägerlandschaft müssten dabei zusammenarbeiten. Es dürften nicht die gleichen Fehler wie in den 1990er Jahren passieren, als Standorte wegfielen und Personal abgebaut wurde. Es benötige vielmehr eine „Vision“, die den Erhalt von Infrastruktur ermögliche, um bei steigenden Geburtenzahlen nicht wieder alles neu aufbauen zu müssen.
Chancen nutzen
Auch die Diakonie Sachsen plädiert für eine strukturelle Weiterentwicklung des Systems der Kindertagesstätten. „Gerade in Zeiten sinkender Kinderzahlen dürfen wir nicht reflexhaft über Kitaschließungen diskutieren“, erklärte Diakoniechef Dietrich Bauer. Es müsse aber „die Chance genutzt werden, Qualität zu sichern und Strukturen klug weiterzuentwickeln“.
Richter erklärte: „Die sinkenden Kinderzahlen entfalten bereits Wirkung in den Kitas: Stellenabbau, Schließungen, längere Wege für Eltern und Kinder sowie steigende Kosten für die jeweiligen Gemeinden und Eltern sind Folgen.“ Notwendig seien aber flexiblere Strukturen zur Angebotsgestaltung vor Ort. Frei werdende Mittel müssten in die Bildungsqualität investiert werden.
Laut statistischen Angaben gingen 2025 sachsenweit 7.500 Kinder weniger in Kitas als noch im Vorjahr. Prognosen zufolge sinken die Geburtenzahlen bis 2035 weiter.
Wohnortnahe Versorgung
Der Vorsitzende der GEW Sachsen, Burkhard Naumann, erinnerte an das Vorhaben der Landesregierung, Qualitätsverbesserungen in den Kitas sowie eine Reform der Finanzierung auf den Weg zu bringen. „Wir benötigen dringend mehr statt weniger Personal an den Einrichtungen und mehr Zeit für das einzelne Kind“, erklärte er.
Für die Kita-Finanzierung müsse laut dem Paritätischen und der GEW der Freistaat stärker in die Verantwortung gehen. Eine wohnortnahe Kita-Versorgung sei abzusichern. Dies sei vor allem für ländliche Regionen wichtig.
Sachsens Diakoniechef Bauer betonte: „Kindertagesstätten sind weit mehr als Betreuungsangebote.“ Sie seien „Bildungsorte, soziale Anker und ein entscheidender Standortfaktor für lebenswerte Regionen“. Auch Bauer plädierte für eine Bedarfsplanung, die sich nicht allein an aktuellen Belegungszahlen orientiere, sondern qualitative Kriterien gleichrangig berücksichtige.
Die Diakonie, der Paritätische und weitere Wohlfahrtsverbände betreiben in Sachsen unter anderem Kindertagesstätten.