Mehr Kindeswohlgefährdungen in Thüringen
Erfurt (epd).

Die Thüringer Jugendämter haben im vergangenen Jahr so viele Verfahren zur Einschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung durchgeführt wie nie zuvor. Insgesamt seien 5.122 Gefährdungseinschätzungen vorgenommen worden, teilte das Landesamt für Statistik am Mittwoch in Erfurt mit. Das seien 168 Verfahren oder 3,4 Prozent mehr als 2024 und zugleich der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012.

In 1.649 Fällen (32,2 Prozent) stellten die Behörden eine Kindeswohlgefährdung fest. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der bestätigten Gefährdungen allerdings um 48 Fälle oder 2,8 Prozent zurück. In weiteren 2.040 Fällen wurde zwar keine Kindeswohlgefährdung festgestellt, die Jugendämter sahen jedoch einen Hilfe- oder Unterstützungsbedarf.

Vernachlässigung häufigste Form der Kindeswohlgefährdung

Am häufigsten registrierten die Fachkräfte Anzeichen von Vernachlässigung. Sie wurde laut der Statistikbehörde in 1.131 Fällen festgestellt. Hinweise auf psychische Misshandlungen habe es in 545 Fällen, auf körperliche Misshandlungen in 382 und auf sexuelle Gewalt in 75 Fällen gegeben. Mehrfachbelastungen seien in 400 Verfahren festgestellt worden.

Nach Angaben der Statistiker ging die Gefährdung in knapp vier von fünf Fällen (79,2 Prozent) von Mutter oder Vater aus. Weitere 5,8 Prozent entfielen auf Stiefeltern oder neue Partner eines Elternteils. Die meisten Hinweise erhielten die Jugendämter von Polizei, Gerichten oder Staatsanwaltschaften (21,1 Prozent), gefolgt von anonymen Meldungen (17,0 Prozent) und Schulen (11,4 Prozent). Besonders häufig bestätigten sich Hinweise, die von den betroffenen Kindern und Jugendlichen selbst kamen.