Mindestens 306 von häuslicher Gewalt betroffene Frauen sind im vergangenen Jahr in sächsischen Schutzhäusern wegen Platzmangels abgewiesen worden. Zudem blieb 50 Männern der Schutz in einer Einrichtung verwehrt sowie 20 Opfern von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Das geht aus einer Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Juliane Nagel hervor, die am Freitag in Dresden verbreitet wurde.
In Sachsen gibt es laut Sozialministerium derzeit 17 Schutzeinrichtungen mit 180 Plätzen für Frauen und Kinder, sieben Plätze in zwei spezialisierten Schutzeinrichtungen sowie elf Plätze in drei Männerschutzeinrichtungen. Der Freistaat müsste laut Nagel aufgrund seiner Bevölkerungszahl und der völkerrechtlich bindenden Istanbul-Konvention mehr als 400 Plätze für betroffene Frauen vorhalten.
Kaum Barrierefreiheit
Die Linken-Abgeordnete erklärte: „Es fehlen viele Schutzplätze, wie die Abweisungen zeigen.“ Zudem fehle es an Barrierefreiheit in den Schutzhäusern. Bisher gebe es nur einen barrierefreien Platz, 54 weitere gelten den Angaben zufolge als „barrierearm“.