Die AWO Thüringen kritisiert den vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf zur Reform der Kinder- und Jugendhilfe. Die geplante Experimentierklausel zur inklusiven Jugendhilfe verschiebe die angestrebte Gesamtzuständigkeit für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen auf unbestimmte Zeit, teilte der Wohlfahrtsverband am Donnerstag in Erfurt mit. Statt einer verbindlichen Lösung könnten Kommunen die Zusammenführung der Leistungen zunächst erproben. Dadurch drohe ein Flickenteppich unterschiedlicher Angebote, warnte Landesgeschäftsführerin Katja Glybowskaja.
Inklusive Jugendhilfe brauche Verbindlichkeit, tragfähige Strukturen und eine verlässliche Finanzierung. Zugleich unterstützt die AWO den Ausbau präventiver und niedrigschwelliger Angebote wie Familienzentren, Erziehungsberatung, Schulsozialarbeit und Frühe Hilfen. Individuelle Rechtsansprüche und bedarfsgerechte Hilfen müssten jedoch gesichert bleiben.
Wohlfahrtsverband sieht Finanzlücke
Die AWO warnt zudem davor, die Reform mit kurzfristigen Einsparzielen zu verbinden. Angesichts steigender Fallzahlen und erheblicher Personalengpässe stehe die Kinder- und Jugendhilfe bereits unter hohem Druck. Bund und Länder müssten die Kommunen bei ihren Aufgaben auskömmlich unterstützen und eine nachhaltige Finanzierungs- und Fachkräftestrategie entwickeln.
Auch Familienministerin Katharina Schenk (SPD) kritisiert den Gesetzentwurf. Eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe brauche ausreichend Personal und finanzielle Ressourcen, Fachkompetenz, barrierefreie Verfahren und eine gute Zusammenarbeit. Hier würden Defizite auch nach der Reform bestehen bleiben.